Haushaltsrechnung erstellen – so haben Sie Ihre Finanzen im Griff
Wenn Sie merken, dass am Monatsende kaum Geld übrig bleibt oder Sie sich fragen, wohin Ihr Einkommen verschwindet, ist eine Haushaltsrechnung genau der richtige erste Schritt. Sie hilft, Einnahmen und Ausgaben transparent darzustellen – egal, ob Sie Single sind, mit Partner:in leben oder eine Familie versorgen. Mit der richtigen Struktur wird sichtbar, wo Einsparpotenzial liegt – und wie Sie Ihre finanziellen Ziele besser planen.
Deshalb haben wir die Finanzexpertin der Raiffeisen Stadtbank Wien dazu befragt.
Was ist eine Haushaltsrechnung – und warum ist sie wichtig?
Eine Haushaltsrechnung ist eine einfache Übersicht über monatliche Einnahmen und Ausgaben. „Was kommt rein, was geht raus – und was bleibt wirklich übrig?“, fasst Julia Schneider-Neruda von der Raiffeisen Stadtbank Wien, zusammen. „Wichtig ist, dass es eine ehrliche Rechnung ist und man sich hier nichts schönreden sollte“, so die Expertin.
Es gibt drei Hauptsituationen, in denen eine Haushaltsrechnung wichtig ist:
1. Wenn das Konto regelmäßig im Minus ist und Sie nicht wissen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben, ist es höchste Zeit, die Kontrolle über das eigene Budget zurückzugewinnen und bewusster zu konsumieren. Dauerhafte Überziehung ist einer der häufigsten Gründe für finanzielle Engpässe, da Überziehungszinsen hoch sind und Menschen Überziehungen weniger ernst nehmen als Kredite. „Dabei sind sie oft teurer und gefährlicher“, so die Expertin. Sie empfiehlt einen kleineren Rahmen (maximal in der Höhe von 1 bis 1,5 Monatsgehältern) oder eine klar geregelte Kreditrate statt ständigem Minus auf dem Konto. Eine fundierte Haushaltsrechnung kann helfen, endlich die Finanzen in den Griff zu bekommen.
2. Wenn Sie sich einen großen Wunsch wie ein Eigenheim oder das Traumauto erfüllen möchten, sollten Sie durchrechnen, ob Sie sich das überhaupt leisten können. Dafür ist eine Haushaltsrechnung genau das richtige Werkzeug: Sie verschafft Ihnen den Durchblick und hilft, richtig zu planen. Wenn Sie einen Kredit aufnehmen wollen, ist eine Haushaltsrechnung bei der Bank sogar Pflicht.
3. Wenn sich in Ihrem Leben etwas Entscheidendes ändert, wie etwa durch ein Kind und damit verbundene Karenzzeiten, durch eine Trennung oder einen Todesfall. Dann gibt es Änderungen bei Ihren Einnahmen und/oder Ausgaben und Ihr Budget kann in eine Schieflage geraten. Hier kann eine Haushaltsrechnung helfen, den Überblick zu behalten.
Wichtige Eckpunkte
- Die Wohnkosten sollten nicht mehr als 40% des Haushaltseinkommens ausmachen (optimal 30-35%).
- Die Sparquote sollte 10% mindestens sein.
- Wichtig ist Versicherungen miteinrechnen um teuer ersparte oder finanzierte Sachen (Wohnung, Haus, Auto) auch abzusichern sowie das Einkommen abzusichern (Unfallversicherung) sonst tritt ein Schaden ein und man zahlt vielleicht eine Kredit- oder Leasingrate für ein Objekt, das schon längst kaputt ist.
Haushaltsrechnung erstellen – Schritt für Schritt
Beispiel einer einfachen Haushaltsrechnung
| Kategorie | Betrag (€) | Anmerkung |
| Einnahmen | 2.800 | Gehalt + Familienbeihilfe |
| Fixkosten | 1.450 | Miete, Energie, Versicherungen |
| Variable Kosten | 900 | Lebensmittel, Freizeit |
| Sparen & Rücklagen | 200 | monatliche Rücklage |
| Überschuss | 250 | frei verfügbares Budget |
Haushaltsrechnung Vorlage & digitale Tools
Damit die Haushaltsrechnung praktikabel und übersichtlich bleibt und auch laufend aktualisiert werden kann, empfiehlt sich eine eigene Excel- oder Google-Tabelle. Sie können Ihre eigene Tabelle erstellen oder eine Vorlage für eine Haushaltsrechnung verwenden. Viele Banken oder Konsumentenschutzseiten bieten kostenlose Downloads an, in die anschließend die Zahlen eingetragen werden.
Beispiel-Vorlage zur Haushaltsrechnung
Vorteile einer Vorlage
- Vorlagen sparen Zeit, man muss keine eigene Tabelle anlegen, sondern kann sie an die eigene Lebenssituation anpassen.
- Rechenfehler werden durch automatische Berechnung reduziert.
- Wichtige Positionen werden aufgelistet, so kann nichts vergessen werden.
- Vorteil der Raiffeisen Stadtbank Wien-Vorlage: Es wird je nach Familiensituation ein Betrag für durchschnittliche Lebenshaltungskosten vorgeschlagen.
Haushaltsbudget für Singles, Paare und Familien
Die Grundstruktur bleibt gleich – aber Prioritäten und Ausgabeposten unterscheiden sich.
- Überblick über Fixkosten schaffen (Miete, Freizeit, Transport)
- Monatliche Sparrate festlegen (z. B. 10 % des Einkommens)
- Gemeinsames Konto für Fixkosten
- Optional: separates Konto für Lebensmittel
- Individuelle Sparkonten möglich
- Beiträge fair aufteilen: 50/50 oder prozentuell nach Einkommen
- Klare Aufteilung für Freizeit & Rücklagen
- Regelmäßige „Finanzgespräche“ einplanen
- Tipp: Eine neutrale dritte Person (Berater oder Beraterin) kann bei Uneinigkeiten helfen.
- Kinderkosten (Schule, Freizeit, Kleidung) erfassen
- Haushaltsrechnung mit mittelfristiger Planung kombinieren
- Kindergeld & Steuervergünstigungen einbeziehen
Häufige Fehler bei der Haushaltsrechnung – und wie man sie vermeidet
Gar keine Haushaltsrechnung machen
„Viele Probleme entstehen erst, weil man gar nicht erst durchrechnet“, sagt die Expertin und empfiehlt: Einfach machen, nicht aufschieben. Viele Menschen kümmern sich erst darum, wenn es Probleme gibt und sich die Mahnungen häufen.
Nicht-monatliche Kosten vergessen
„Das ist der größte Denkfehler“, so die Expertin. Jahresabos für Streaming-Dienste, Kreditkartengebühren, Mitgliedschaften für Pannendienste und Vereine oder quartalsweise Abrechnungen wie Strom werden oft unterschätzt. Um sie in der Haushaltsrechnung richtig abzubilden, sollten diese Zahlungen auf monatliche Kosten umgerechnet werden.
12 Gehälter voll einrechnen
Die Expertin empfiehlt, konservativ zu rechnen und Urlaubsgeld und Sonderzahlungen nicht fix ins Monatsbudget zu kalkulieren. Auch variable Zahlungen für Zulagen oder Überstunden sollten nicht eingerechnet werden. So entsteht im Idealfall automatisch ein Puffer.
Bürgschaften leichtfertig eingehen
Bürgschaften werden von der Bank voll in die Haushaltsrechnung für einen Kredit eingerechnet und können die eigene Finanzierungsfähigkeit blockieren. Daher die klare Empfehlung: Nur unterschreiben, wenn man es wirklich tragen könnte, nicht aus reiner Gefälligkeit.
Fehlende Sparziele
Ohne Motivation fällt das Sparen schwer. „Menschen sparen mehr, wenn sie wissen, wofür“, sagt die Expertin. Sie rät, Ziele sichtbar zu machen, indem Sparkonten benannt werden, etwa „Haus“, „Auto“, „Pension“. Mit einer emotionalen Verbindung schafft man Disziplin.
Kreditkartenrechnung unterschätzen
Wenn die Kreditkarte im Alltag unkontrolliert genutzt wird, kommt am Ende des Monats die böse Überraschung. Die Expertin empfiehlt, Kreditkarten wöchentlich zu kontrollieren und Kreditkartenzahlungen sofort intern auszugleichen bzw. den Betrag auf die Seite zu legen.
Keine regelmäßige Aktualisierung
Nur wer regelmäßig seine Zahlen überprüft, kann realistisch planen.
Fazit: Mit einer Haushaltsrechnung Ordnung schaffen
Eine Haushaltsrechnung klingt vielleicht nach Aufwand - aber sie zahlt sich aus.
Sie zeigt, wie viel Geld Sie wirklich wofür ausgeben, wo Sie sparen können und welche Spielräume Sie haben. Ob in einer App, mit Excel oder klassisch auf Papier - wichtig ist nur: Machen Sie den ersten Schritt. Mit etwas Routine wird Ihre Haushaltsrechnung zu einem Werkzeug, das Ihnen Sicherheit gibt - und Freiraum für neue Ziele.
Wie auch Finanzexpertin Julia Schneider-Neruda betont, ist dabei vor allem eines entscheidend:
Einfach anfangen und dranbleiben.
FAQ Häufige Fragen zur Erstellung der Haushaltsrechnung
Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Erstellung einer Haushaltsrechnung.
Nehmen Sie sich Zeit: Ist-Stand erheben von Netto-Einkommen und Fixkosten, nicht-monatliche Kosten auf Monatswert umlegen, Ausgaben wie Kredite, Leasing, Bürgschaften bedenken, durchschnittliche variable Kosten einrechnen. Einnahmen und Ausgaben in einer Liste oder Tabelle vermerken.
Ja, viele Banken und Portale bieten kostenlose Excel-Vorlagen an, z. B. hier von der RLB NÖ-Wien.
Miete, Energie, Versicherungen, Internet, Verkehrskosten und regelmäßige Verträge. Nicht-monatliche Fixkosten auf einen Monatswert umrechnen!
Nutzen Sie digitale Tools, setzen Sie sich monatliche Limits und überprüfen Sie Ihre Zahlen regelmäßig. Auch ein Bankberater oder eine Bankberaterin können bei einer besseren Planung helfen.
Die Haushaltsrechnung zeigt die tatsächlichen Ausgaben, der Haushaltsplan ist die vorausblickende Planung.
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