Tirol Change Award-Gewinner Heinz Gstir

Er ist in jeder Hinsicht ein Pionier. Heinz Gstir, Obmann der Genossenschaft Bioalpin und Begründer der Erfolgsmarke BIO vom Berg. Wir haben den Gewinner des ersten Tirol Change Award, welcher im Rahmen der diesjährigen Change Summit in Innsbruck verliehen wurde, kurz nach der Bekanntgabe zum Gespräch gebeten.

Talk in der Cafeteria mit Heinz Gstir
© Aria SADR-SALEK

Herr Gstir, die Leute kaufen im Lockdown wesentlich bewusster ein. Sie kaufen seltener ein und sie kaufen regionaler ein. Glauben Sie, dass sich dieser Trend erhalten wird, wenn wir in eine – nennen wir es – andere Normalität zurückkehren werden?

Heinz Gstir: Ja. Ich denke, dass sich dieser Trend bei einem großen Teil der Bevölkerung halten wird, aber es werden nicht 100 Prozent sein. Es gibt einen gewissen Teil der Bevölkerung, der danach vielleicht erst recht auf Schnäppchenjagd geht.

Aber ich merke schon, und das wird durch den Erfolg der Regionalität und der nachhaltigen Ernährung insgesamt, aber auch durch den Erfolg unserer Marke untermauert, dass in diesem Bereich eine Bewusstseinsveränderung stattfindet. Die Menschen sehen Nahrungsmittel nicht mehr bloß als Treibstoff, den sie in sich hineinstopfen, sie erkennen, dass sie sich durch die Ernährung etwas Gutes tun können. Denn Nahrungsmittel, die im Einklang mit der Natur erzeugt worden sind, bewirken im eigenen Körper auch etwas. Inzwischen ist es ein spürbares Anliegen der Menschen, zu wissen, wie Landwirtschaft abläuft und was sie hervorbringt. In diesem Zusammenhang ist aber auch noch viel Aufklärungsarbeit notwendig.

 

Hat BIO vom Berg Corona-bedingt mehr Absatz gemacht? Hat es eine spürbare Veränderung gegeben?

Heinz Gstir: Es hat bestimmte Produkte gegeben, die zu den Gewinnern gehören, aber auch Verlierer. Das meine ich gar nicht so sehr auf ein Produkt zugeschnitten, aber allein die Tatsache, dass der Großhandel zum Erliegen gekommen ist und die Gastro komplett ausfällt, hat Folgen. So fallen die ganzen Großgebinde weg. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen. In Tourismusregionen läuft es naturgemäß schlechter. Aber ich denke, dass wir uns ansonsten recht gut behauptet haben. Wir haben 2020 ein sehr starkes Jahr gehabt.

Wie sich das Ganze nun weiterentwickelt? Keiner weiß, welche Entscheidungen morgen oder übermorgen anstehen. Aber ich denke, dass wir insgesamt auf einem guten Weg sind.

 

Man wird ja nicht über Nacht zum Bio-Rebell! Was war ihr Erweckungserlebnis? Gab es einen Augenblick, in dem für Sie feststand: da spiele ich jetzt nicht mehr mit?

Heinz Gstir: Wenn man sich überlegt, was man in der Tiroler Berglandwirtschaft produzieren kann, dann sind das nachhaltige Produkte. Außerdem werden wir in Tirol nie mit den großen europäischen Playern mithalten können. Daher war das für mich anfangs eine ökonomische Entscheidung. Je mehr ich mich aber mit Nahrungsmitten ganz generell und mit der Milchwirtschaft speziell befasst habe, desto mehr hat sich für mich herauskristallisiert, dass diese Art der Landwirtschaft die hochwertigsten Produkte hervorbringt. Das bestätigt sich mir auch dadurch, dass damit kurze Transportwege und möglichst wenig Verarbeitung einhergehen. Der Mensch soll möglichst schonend verarbeitete Nahrungsmittel zu sich nehmen. Genau da haben wir mit BIO vom Berg enorme Trümpfe in der Hand. Unsere Wege sind kurz: Am Bauernhof, aber auch zu den Mitgliedern der Verarbeitungsbetriebe und zum Handel. Und natürlich ist das Kernstück eines Nahrungsmittels immer das Rohprodukt, das verarbeitet wird.

 

Vielen Dank für das Gespräch!