36. Raiffeisen Konjunkturgespräch Steiermark

Vier Männer und eine Frau stehen vor der Raiffeisen Werbewand
v.l.n.r..: Harald Vodosek, Martin Schaller, Velina Tchakarova, Wolfgang Plasser, Christian Helmenstein

Sicherheit und praktikable Rahmenbedingungen: Wichtige Standortfaktoren für Wirtschaft und Gesellschaft

Graz, 9. April 2026 - Die Spitzen der steirischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien trafen sich zum 36. Konjunkturgespräch der Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark. Gastgeber RLB Steiermark-Generaldirektor Martin Schaller begrüßte zahlreiche Gäste in der RLB-Zentrale in Raaba-Grambach. Motto des steirischen Wirtschafts-Gipfels war „Sicherheit im Wandel – Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft“.

Schaller betonte in seiner Rede, dass die wirtschaftlichen und geopolitischen Verschiebungen viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor große Herausforderungen stellen. „Wir erleben tektonische Verschiebungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Weltpolitik. Das spüren vor allem auch heimische Unternehmen: Entscheidungen werden schwieriger, Unsicherheiten größer und der Druck auf viele Betriebe steigt. Gerade in solchen Phasen braucht es Orientierung, praktikable Rahmenbedingungen und Partner, die Handlungsfähigkeit stärken. Denn Abschottung schafft keine Sicherheit. Raiffeisen versteht sich als stabiler Anker und verlässlicher Begleiter der Wirtschaft“, so Schaller.

 

Helmenstein: Sicherheit ist auch ein wirtschaftlicher Standortfaktor

Tiefer in die Materie tauchte zunächst Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung Österreich, in seiner Keynote ein. Unter dem Titel „Wohlstand - eine Gratwanderung zwischen Freund und Feind“ beleuchtete er die Bedeutung von wirtschaftlicher Resilienz, Standortqualität und strategischer Handlungsfähigkeit. „Der Jahresauftakt 2026 ist konjunkturell positiv verlaufen, mit realistischen Chancen auf ein Wachstum von über einem Prozent in Österreich. Die jüngsten geopolitischen Eskalationen bremsen diese Entwicklung zwar über Lieferkettenstörungen und steigende Energiepreise spürbar ein, dennoch bleibt der Grundton der Konjunktur leicht expansiv. Für Österreich kommt es nun entscheidend darauf an, Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, neue Exportchancen zu nutzen und weitere Wohlstandsverluste nicht durch höhere Staatsverschuldung, steigende Zinsen oder zusätzliche Belastungen für Unternehmen zu verschärfen.“ 

 

Expertenrunde thematisierte geopolitische Gegebenheiten 

Im anschließenden Expertendialog diskutierten Wolfgang Plasser, CEO von Pankl Racing Systems AG, Velina Tchakarova, geopolitische Strategin und Sicherheitsexpertin, sowie Harald Vodosek, Nationaler Rüstungsdirektor im Bundesministerium für Landesverteidigung, über die Auswirkungen veränderter geopolitischer Rahmenbedingungen. 

 

Wolfgang Plasser: Österreich hat das Know-how, Wirtschaft braucht Handlungsspielraum

„Die österreichische Wirtschaft hat definitiv das Know-how, um vor allem mit Vorprodukten, eine wichtige Rolle im Aufbau der europäischen Supply Chain für die Verteidigungswirtschaft zu spielen. Was wir aber nicht haben, sind die passenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Neutralität wird derzeit viel zu streng ausgelegt. Wünschenswert wäre eine Ausweitung des Binnenmarktes der europäischen Union auf den Verteidigungsbereich, sodass innergemeinschaftliche Lieferungen generell ohne Exportgenehmigungen möglich sind.“

 

Velina Tchakarova: Wir erleben einen systemischen Bruch der Weltordnung

„Die Welt erlebt einen systemischen Bruch der bisherigen Weltordnung. Russlands Krieg in Europa, die wachsende Unberechenbarkeit der USA und die Eskalation im Nahen Osten sind seine sichtbarsten Symptome. In dieser neuen Realität agieren Unternehmen längst wie Staatsakteure: Wirtschafts-, Rohstoff- und Energiepolitik sind Sicherheitspolitik. Für Europa bedeutet das eine unbequeme Wahrheit – wer keine harte Macht ausübt, hat keinen Platz am Tisch der globalen Geopolitik. Wer heute handelt, gestaltet. Wer wartet, wird mitgestaltet."

 

Harald Vodosek: Heer benötigt beste Technologie, um Gesellschaft schützen zu können

„Damit die Republik Österreich und ihre Einwohner in Kooperation mit den anderen EU-Partnern geschützt werden kann, ist es erforderlich, die Soldaten mit der besten Technologie für den Einsatz auszustatten. Wesentlich dafür ist eine homogene und stabile industrielle, technologische und finanzielle Basis in Österreich und Europa. Dies sind auch die wesentlichen Faktoren für die Gewährleistung der Liefersicherheit und der Versorgungssicherheit der österreichischen Streitkräfte.“

 

Konjunkturgespräch mit Wirtschaftsspitzen der Steiermark

Zum steirischen Raiffeisen-Konjunkturgespräch kamen Spitzenvertreter:innen der heimischen Leitbetriebe sowie Repräsentant:innen aus Politik, Interessenvertretungen, Wissenschaft, Sozialorganisationen und Medien. Unter ihnen Landtagsabgeordnete Martina Kaufmann in Vertretung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom, Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner, Wirtschaftskammer-Vizepräsidenten Dietmar Schweiggl und Herbert Ritter, Landwirtschaftskammer-Direktor Werner Brugner, IV-Steiermark-Vizepräsident Markus Ritter, Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler, Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer, RLB-Steiermark-Aufsichtsratspräsident Josef Hainzl sowie die weiteren RLB-Vorstände Ariane Pfleger, Rainer Stelzer und Florian Stryeck. 

 

Fotocredit: RLB Steiermark

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08.04.2026 - Jahr 2026