Gemeinsam für Innovation: KI-Forschung soll neue Perspektiven für Menschen mit Epilepsie schaffen

Wie kann Künstliche Intelligenz Menschen mit Epilepsie künftig dabei unterstützen, Anfälle frühzeitig zu erkennen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt „EPILEPSIA“ des Linzer Start-ups FiveSquare. Gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität Linz und der Universitätsklinik für Neurologie am Kepler Universitätsklinikum Linz wird an einem innovativen Verfahren zur Prognose epileptischer Anfälle geforscht. Der Sozialfonds der Raiffeisenlandesbank OÖ und die RLB Holding eGen OÖ unterstützen die Weiterentwicklung des Projekts finanziell. Im Interview spricht Hans-Peter Pichler, CEO von FiveSquare, über die Chancen der Technologie und die nächsten Forschungsschritte.

Interview mit Hans-Peter Pichler, CEO von FiveSquare

Hans-Peter Pichler, CEO von FiveSquare
Hans-Peter Pichler, CEO von FiveSquare

Herr Pichler, worum geht es im Forschungsprojekt „EPILEPSIA“?

Wir wollen mit EPILEPSIA erforschen, wie künstliche Intelligenz und moderne Sensorik dazu beitragen können, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie langfristig zu verbessern. Konkret untersuchen wir, wie unterschiedliche Sensordaten mithilfe von KI ausgewertet und miteinander kombiniert werden können, um Muster zu erkennen, die auf einen bevorstehenden epileptischen Anfall hindeuten könnten. Daraus sollen neue technologische Ansätze entstehen, mit denen sich Anfälle künftig besser prognostizieren lassen. Unser Anspruch ist es, technologische Innovation so zu gestalten, dass sie einen echten gesellschaftlichen Beitrag leisten kann – indem sie Betroffenen im Alltag mehr Sicherheit und langfristig auch mehr Selbstbestimmung ermöglicht.

 

Was macht Ihren Ansatz besonders?

Im Mittelpunkt steht die intelligente Auswertung von Daten, die mithilfe neuartiger (Wearable) Sensortechnologien erfasst werden. Mithilfe speziell entwickelter KI-Modelle analysieren wir verschiedenste Signale des Körpers und untersuchen, welche davon besonders aussagekräftig für die Erkennung relevanter Muster sind. Eine große Herausforderung besteht darin, auch mit kostengünstiger Sensorik und teilweise eingeschränkter Datenqualität verlässliche Ergebnisse zu erzielen.

 

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei?

Künstliche Intelligenz ermöglicht uns, komplexe Zusammenhänge in großen Datenmengen zu erkennen. Unsere KI-Architekturen kombinieren Informationen aus unterschiedlichen Sensorquellen und identifizieren Muster, die für die Erforschung epileptischer Anfälle relevant sein könnten. Die bisherigen Forschungsergebnisse sind vielversprechend und bilden eine wichtige Grundlage für die nächsten wissenschaftlichen Schritte.

 

Warum ist die Unterstützung durch Raiffeisen OÖ so wichtig?

Forschung dieser Größenordnung braucht starke Partner. Die Unterstützung durch die Raiffeisenlandesbank OÖ und die oberösterreichischen Raiffeisenbanken ermöglicht es uns, unsere Forschung international weiterzuentwickeln und zu validieren. Dadurch können wir größere Datengrundlagen untersuchen, unsere Modelle weiter verbessern und die wissenschaftliche Aussagekraft der Ergebnisse stärken. Für innovative Forschungsprojekte aus Oberösterreich ist das ein wichtiger Impuls.

 

Welche Potenziale sehen Sie über die Epilepsieforschung hinaus?

Unsere bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass der entwickelte Ansatz möglicherweise auch für andere medizinische Fragestellungen interessant sein könnte. Die Kombination aus moderner Sensorik und künstlicher Intelligenz eröffnet neue Perspektiven für die Analyse von Gesundheitsverläufen. Bis zu einer möglichen Anwendung in der Praxis sind allerdings noch weitere Forschungs-, Validierungs- und Zulassungsschritte erforderlich.

 

Was bedeutet es für Sie, dass dieses Projekt in Oberösterreich entwickelt wird?

Oberösterreich verfügt über eine starke Forschungs- und Innovationslandschaft. Für uns zeigt das Projekt, dass international relevante KI-Forschung auch aus Oberösterreich heraus entwickelt werden kann. Gerade die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Medizin zeigt, welches Potenzial hier vorhanden ist. Es freut uns besonders, dass regionale Partner wie Raiffeisen in Oberösterreich solche Zukunftsprojekte unterstützen und damit dazu beitragen, Innovationen mit gesellschaftlichem Mehrwert voranzutreiben.

 

Das Projekt „EPILEPSIA“ auf einen Blick

Der AI-Research-Bereich des Linzer KI-Unternehmens FiveSquare erforscht gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität Linz und der Universitätsklinik für Neurologie am Kepler Universitätsklinikum Linz neue technologische Ansätze zur Prognose epileptischer Anfälle. Im Zentrum steht die Verbindung unterschiedlicher Wearable-Sensoren mit spezialisierten KI-Modellen. Untersucht wird unter anderem, welche Sensortypen besonders aussagekräftig sind und wie auch bei schwankender Datenqualität robuste Analysen ermöglicht werden können. Mit Unterstützung der Raiffeisenlandesbank OÖ und der oberösterreichischen Raiffeisenbanken sollen die bisherigen Ergebnisse international weiterentwickelt und mit größeren und vielfältigeren Datengrundlagen validiert werden. Perspektivisch könnte der zugrunde liegende KI- und Sensorikansatz auch für weitere medizinische Forschungsfelder relevant sein.