Die Finanzwelt gehört (auch) den Frauen
Sylvia Kubicek, Finanzexpertin von Raiffeisen Capital Management, im Interview zum Thema "Frauen und Finanzen".
Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass Frauen sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen?
In Österreich verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Und zwar das ganze Leben lang. Schon als Kind erhalten Mädchen statistisch gesehen weniger Taschengeld als Buben. Im Arbeitsleben werden sie für das gleiche Arbeitspensum um einiges schlechter entlohnt als männliche Kollegen. Dazu kommt, dass Frauen viel öfter Teilzeit arbeiten. Gründe dafür gibt es unterschiedliche – die Konsequenz ist weniger Geld, vor allem dann auch in der Pension.
Warum betrifft Altersarmut überdurchschnittlich viele Frauen?
Altersarmut bedeutet, dass Menschen in der Pension nicht genug finanzielle Mittel zur Verfügung haben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Armutsgrenze in Österreich liegt für Einpersonenhaushalte bei 1.661 Euro netto pro Monat (Stand 2024). Die durchschnittliche Alterspension von Frauen 2024 betrug laut Bundesministerium für Frauen, Wirtschaft und Forschung in Österreich 1.412 Euro. Bei Männern liegt die durchschnittliche Pension im Vergleich dazu bei 2.259 Euro. Frauen erhalten also im Durchschnitt um 37,5 % weniger Pension als Männer. Ursache ist, neben dem grundsätzlich geringeren Einkommen im Erwerbsleben, dass viele Frauen aufgrund von Kinderbetreuung und familiärer Care-Arbeit oft Teilzeit arbeiten. In Österreich arbeiten rund 51 % der Frauen in Teilzeit. Laut Statistik gilt in Österreich jede 5. Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet.
Welche Schritte sollte jede Frau setzen, um sich finanziell abzusichern?
Für Frauen ist es wesentlich auf ihre eigene finanzielle Unabhängigkeit zu achten. Das beginnt bereits bei der Berufswahl und setzt sich im Erwerbsleben mit einer gezielten Aus- und Weiterbildung fort. Eine Vollzeitbeschäftigung ist ebenso ausschlaggebend für eine höhere Alterspension. Und auch die partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung unterstützt die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Zusätzlich kann eine private Altersvorsorge eventuelle Einkommenslücken schließen. Durch regelmäßige Einzahlungen in eine private Vorsorge kann die Altersvorsorge ausgebaut und eine Erwerbsunterbrechung ausgeglichen werden.
Eine genaue Haushaltsplanung hilft dabei herauszufinden, wieviel trotz reduziertem Einkommen regelmäßig für die Altersvorsorge beiseitegelegt werden kann. Ein Blick aufs Pensionskonto und ein unverbindliches Gespräch mit dem:der Bankberater:in ist jedenfalls ratsam.
Gibt es einfache Tipps, wie man auch mit geringem Einkommen Rücklagen bilden oder investieren kann?
Früh starten, regelmäßig sparen und langfristig dranbleiben – so kann das Geld dank Zinseszins-Effekt stetig wachsen.
Auch in den Kapitalmarkt kann man bereits mit geringen Beträgen investieren. Ab 50 Euro monatlich kann man zum Beispiel einen Fondssparvertrag abschließen. Wichtig zu wissen: Eine Veranlagung in Wertpapiere bietet Chancen, ist aber auch mit Risiken verbunden.
Sorgen Männer wirklich besser vor?
Männer investieren anders. Sie nehmen meist zugunsten größerer Ertragschancen höhere Risiken in Kauf. Frauen wählen geringere Risiken und lassen dabei natürlich auch Chancen liegen. Und Männer haben oft auch andere finanzielle Möglichkeiten.
Wie können Frauen die Scheu vor Finanzen oder Investments überwinden?
Für Frauen geht es oft darum, dem Thema Finanzen die nötige Priorität zu geben und aktiv zu werden. Im Gespräch mit dem:der Bankberater:in können Fragen sowie mögliche Unsicherheiten geklärt und damit die Basis für die individuelle Finanzplanung gelegt werden.
Sylvia Kubicek - Raiffeisen Capital Management
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