Erben – Vererben – Schenken

Ob gewillte oder gesetzliche Erbfolge, Übertragung von Grundstücken oder Schenkung auf den Todesfall. Durch die rechtzeitige Regelung seiner Verlassenschaft kann man sich und seinen Angehörigen etwaige Probleme und Ärgernisse ersparen. Wir möchten Ihnen hiermit einen ersten Überblick über relevante und wichtige Fragen zum Erbrecht geben.

Rechtsnachfolge von Todes wegen

In Österreich wird zwischen der so genannten gewillkürten und der gesetzlichen Erbfolge unterschieden.

Gewillkürte Erbfolge

Dies bedeutet, dass sich die Erbfolge nach dem Willen des Verstorbenen richtet, wenn dieser beispielsweise ein wirksames Testament oder Vermächtnis oder einen wirksamen Erbvertrag auf den Todesfall errichtet hat.
 

Testament

  • Eigenhändig geschriebenes und eigenhändig unterschriebenes Testament

Erbvertrag

  • Nur zwischen Ehegatten, eingetragenen Partnern, sowie Personen, die sich verlobt oder die eingetragene Partnerschaft versprochen haben, möglich (Notariatsakt)

Vermächtnis

Ist ein konkreter Betrag oder bestimmter Gegenstand, der zumeist im Zuge eines Testaments einer bestimmten Person oder Organisation vermacht wird.


Wer muss einen Pflichtteil bekommen

  • Ehegatte und eingetragener Partner
  • Kinder, Nachkommen und Wahlkinder

 

Gesetzliche Erbfolge

Sie tritt ein, wenn der Verstorbene keinen oder einen ungültigen letzten Willen hinterlässt oder sich in seinem Testament nur auf einen Teil der Verlassenschaft bezieht.


Erbrecht der Verwandten

Die Verwandten des Verstorbenen erben nach Linien. Erben in der ersten Linie schließen ein Erbrecht in der zweiten Linie aus usw.

  1. Linie: Kinder und deren Nachkommen
  2. Linie: Eltern und deren Nachkommen
  3. Linie: Großeltern und deren Nachkommen
  4. Linie: Urgroßeltern

Uneheliche Kinder sind den ehelichen Kindern gleichgestellt. Die Verwandten des überlebenden Ehegatten (z.B Schwager, Schwägerin, Schwiegereltern) haben kein gesetzliches Erbrecht.


Ehegattenerbrecht

Der Ehegatte bzw. eingetragene Partner (wenn er zum Zeitpunkt des Todes mit dem Verstorbenen in gültiger Ehe bzw. Partnerschaft lebt) erbt von der Verlassenschaft:

  • 1/3 neben den Kindern und deren Nachkommen
  • 2/3 neben den Eltern
  • sonst die gesamte Verlassenschaft

Lebensgefährten haben ein außerordentliches Erbrecht (kein anderer gesetzlicher Erbe, aufrechte Lebensgemeinschaft zum Todeszeitpunkt, gemeinsamer Haushalt in den letzten 3 Jahren).

Rechtsnachfolge unter Lebenden

Schenkung

Bei der Schenkung verpflichtet sich der Geschenkgeber, dem Beschenkten eine Sache unentgeltlich zu überlassen. Auch bei der Schenkung handelt es sich um einen Vertrag. Aus diesem Grund ist die Zustimmung des Beschenkten erforderlich, da sich niemand eine geschenkte Sache aufdrängen lassen muss.

Gemischte Schenkung

Die gemischte Schenkung enthält entgegen der „reinen Schenkung“, wo höchstens Auflagen und Bedingungen als Obliegenheit verbunden sind, eine teilweise Gegenleistung: Für die Hingabe des Schenkungsgegenstandes verlangt der Schenker vom Beschenkten eine teilweise Gegenleistung.

Sonderfall: Schenkung auf den Todesfall

Eine Schenkung auf den Todesfall ist ein schriftlicher Vertrag, welcher bereits zu Lebzeiten unterschrieben wird. Erfüllt wird diese Schenkung allerdings erst nach dem Tod des Schenkenden. Wenn zum Beispiel Eltern ihrem Sohn das Wochenendhaus auf den Todesfall schenken, bedeutet dies, dass die Eltern, solange sie leben, Eigentümer des Wochenendhauses bleiben. Erst mit ihrem Ableben wird der Sohn uneingeschränkter Eigentümer dieses Wochenendhauses. Der Geschenkgeber bleibt also bis zum Zeitpunkt seines Todes Eigentümer der verschenkten Sache und kann diese nutzen. Seine Verfügungsmacht ist aber eingeschränkt. Voraussetzung für die wirksame Schenkung ist, dass der Beschenkte die Schenkung annimmt (Notariatsakt).

Der Geschenkgeber hat grundsätzlich kein Widerrufsrecht. Die Schenkung auf den Todesfall kann sich max. auf 3/4 der Verlassenschaft erstrecken. Zur Gültigkeit dieses Vertrages ist ein Notariatsakt notwendig. Schenkungen auf den Todesfall können sich auf das Pflichtteilsrecht auswirken.

Ergänzende Hinweise zur Übertragung von Grundstücken

Nach dem Entfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer unterliegt die Übertragung von Grundstücken im Rahmen einer Erbschaft oder Schenkung weiterhin der Grunderwerbsteuer.

Die Grunderwerbsteuer wird seit 1.1.2016 bei entgeltlichen und unentgeltlichen Übertragungen von Grundstücken innerhalb des im Gesetz genau definierten Familienkreises auf Basis eines Stufentarifs ermittelt.

Für Grundstückswerte

- bis 250.000 Euro                                                             0,5 %
- für die nächsten 150.000 Euro                                     2,0 %
- für die 400.000 Euro übersteigenden Wertanteile    3,5 %

Bemessungsgrundlage ist jeweils der Grundstückswert (bzw. Verkehrswert)

Dies gilt auch für unentgeltliche Übertragungen außerhalb der Familie. Bei entgeltlichen oder teilentgeltlichen Übertragungen (z.B. Schenkung einschließlich Verbindlichkeiten) außerhalb der Familie gelten Sonderregelungen.

Bei sämtlichen Grundstücksübertragungen fällt zusätzlich auch die Eintragungsgebühr für die Grundbuchseintragung an – 1,1 % der Bemessungsgrundlage. Davon abweichende Sonderregelungen bestehen für die Übertragung von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken sowie für unentgeltliche Betriebsübertragungen.

Es wird bei der Übertragung von Vermögen jedenfalls eine Beratung durch einen Rechtsanwalt und Steuerberater empfohlen.

Mann arbeitet sich am Schreibtisch durch Bücher und Dokumente
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Schenkungsmeldegesetz 2008

Seit 01.08.2008 wird die Erbschafts- und Schenkungssteuer nicht mehr erhoben. Stattdessen wird eine Meldepflicht für Schenkungen eingeführt.

Disclaimer

Die dargestellte Rechtslage bezieht sich auf österreichische Sachverhalte unter der Berücksichtigung des ErbRÄG 2015 und ohne Anwendbarkeit der mit 17.08.2015 wirksamen EU-Erbrechtsverordnung. Stand: 2/2019 – gesetzliche Änderungen ab diesem Zeitpunkt sind nicht berücksichtigt.

Diese Seite dient rein zur Erstinformation und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit, da jeder Vermögensübergang einer für Sie individuellen Würdigung bedarf. Diese Information kann daher nicht die individuelle Beratung des Notars, Rechtsanwalts oder Steuerberaters ersetzen. Im Zusammenhang mit dieser Information wird jegliche Haftung ausgeschlossen.