Mehrgenerationenwohnen im Walgau – Tradition neu gedacht
Nachverdichtung eines über 100 Jahre alten Hauses – Entstehung eines luftigen Lofts unter alten Balken
Projekt
Mitten im Ortskern der Walgaugemeinde Göfis steht ein Gebäude, das Geschichte und Zukunft auf besondere Weise verbindet. Inmitten eines locker bebauten Gebiets mit Blick auf die umliegenden Wiesen und den Walgau wurde ein traditionsreiches Wohnhaus aus dem Jahr 1935 in ein modernes Mehrgenerationenhaus verwandelt. Ziel des Projekts war es, den Bestand zu erhalten und gleichzeitig Raum für drei eigenständige Wohneinheiten zu schaffen – ein gelungenes Beispiel für nachhaltige Nachverdichtung im ländlichen Raum.
Das Gebäude, ursprünglich von den Großeltern des Bauherrn errichtet, erzählt heute eine neue Familiengeschichte. Während die Eltern weiterhin im Haus leben, ist ein Sohn mit seiner Familie von Innsbruck nach Göfis zurückgekehrt. Ein weiterer Sohn nutzt eine eigene Einheit als Ferienwohnung. Diese neue Wohnform erforderte eine grundlegende Neuorganisation der Zugänge und Erschließung, ohne dabei den Charakter des Hauses zu verlieren.
Innovationen
Ein zentraler Aspekt des Projekts war der sensible Umgang mit der bestehenden Bausubstanz. Der massiv gebaute südwestliche Teil des Hauses blieb weitgehend unverändert und war sogar während der Bauphase bewohnt. Auch die markante ockergelbe Fassade wurde bewusst erhalten – ein klares Bekenntnis zur Geschichte des Hauses. Im Kontrast dazu stand der nordöstlich angegliederte ehemalige Stadel, der bereits in den 1970er-Jahren teilweise ausgebaut worden war. Dieser Bereich wurde nun vollständig neu strukturiert und erhielt eine moderne, thermisch sanierte Gebäudehülle mit braun lasierter Holzfassade.
Wichtig war es den Bauleuten, den großzügigen Dachbodenraum mit seinen historischen Holzbalken nutzen zu können und dabei den einzigartigen Charakter zu bewahren. Dieser großzügige Raum wurde in eine offene Wohnlandschaft mit rund 75 m² verwandelt. Durch gezielt eingesetzte Dachflächenfenster gelang es, den Raum mit Licht zu durchfluten, ohne die bestehende Fassade zu verändern. Eine ehemals trennende Wand wurde entfernt, wodurch ein beeindruckendes Raumgefühl entstand. Die neue Küche im Giebel fügt sich harmonisch in die bestehende Struktur ein und wird durch ein zusätzliches Fenster optimal belichtet.
Die Wohnräume verteilen sich auf mehreren Ebenen und Halbgeschossen, verbunden durch eine filigrane, transparente Treppe aus Schwarzstahl. Diese schafft visuelle Verbindungen zwischen den Geschossen und führt bis zu einer kleinen Galerie unter dem Dach, wo sich auch ein flexibel nutzbares Giebelzimmer befindet. Materialien wie Sichtestrich, Eichendielen und die freigelegte Dachkonstruktion bestimmen das stimmige Innenraumkonzept, während gezielte Farbakzente in Möbeln und Textilien für Lebendigkeit sorgen.
Maßnahmen
Auch energetisch wurde das Gebäude auf den neuesten Stand gebracht. Eine moderne Luftwärmepumpe sorgt für die Beheizung, unterstützt durch eine bestehende Holzheizung für Spitzenlasten. Ergänzt wird das System durch eine thermische Solaranlage sowie eine Photovoltaikanlage. Neue Fenster mit Dreifachverglasung und eine verbesserte Dämmung tragen zusätzlich zur Energieeffizienz bei.
Das Ergebnis ist ein durchdachtes Mehrgenerationenhaus, das Vergangenheit und Gegenwart harmonisch vereint. Es zeigt eindrucksvoll, wie bestehende Bausubstanz mit Respekt weiterentwickelt und gleichzeitig an moderne Wohnbedürfnisse angepasst werden kann – ein inspirierendes Beispiel für nachhaltiges Bauen im Bestand.
Das Fazit des Bauherrn: Ein Haus zum Wohlfühlen ist entstanden, dank guter Vorbereitung und Planung und mit Hilfe vieler Helfer!
Statement von der Architektin Catharina Fineder:
"Traumhaus bedeutet für mich nicht zwangsläufig Neubau. In diesem Projekt wurde ein Familienhaus in ein Mehrgenerationenhaus für drei Parteien transformiert. Bestehendes weiterzubauen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig Räume für neues Familienleben zu schaffen, ist für mich eine besonders nachhaltige Form von Architektur."
Architektin:
Catharina Fineder Architektur
Arch. Dipl.-Ing. ZT
Weinberggasse 25d
6800 Feldkirch
t +43 699 10143313
f +43 5574 2099201458
architektur@catharinafineder.com
www.catharinafineder.com
Quelle: EIV -Sanierungsgalerie