Wenn der Mut zum Umweg zur Bestimmung wird
Katharina Salzgeber über die Montafoner Wurzeln und den Weg von der Kommunikationskarriere zur Winzerin in Niederösterreich.
Wenn Menschen von ihrem „Werdegang“ sprechen, klingt das oft geradliniger, als er tatsächlich war. Bei Katharina Salzgeber ist das anders: Ihr Lebensweg ist geprägt von Neugier, Mut und der Fähigkeit, zur richtigen Zeit Entscheidungen zu treffen – auch dann, wenn sie überraschen.
Aufgewachsen ist Katharina in Schruns und Gargellen, eingebettet in die Bergwelt des Montafons. Eine Kindheit mit viel Freiheit, Bewegung und Naturverbundenheit. Skiclub, Schwimmclub und Eiskunstlaufverein waren ebenso selbstverständlich wie draußen zu sein – bei jedem Wetter. Rückblickend sieht sie hier den Grundstein für ihre spätere Leidenschaft: das Gespür für Natur, Rhythmus und Ausdauer.
Nach der Schule zog es sie hinaus. Wohin genau, wusste sie noch nicht. Das Studium in Krems ergab sich durch eine Freundin – und durch die Faszination für ein Leben mit internationalen Perspektiven. Auslandssemester, neue Sprachen, andere Kulturen. Dass Krems inmitten von Österreichs bedeutendsten Weinbauregionen liegt und stark vom Thema Wein geprägt ist, erwies sich als glückliche Fügung. Bereits mit 17 hatte Katharina einen Jungsommelier-Kurs absolviert, nun vertiefte sich dieses Interesse beinahe von selbst. Paris, London, Brüssel folgten – ebenso wie Wien, wo sie über ein Kulturprogramm in einem Stadtentwicklungsprojekt arbeitete. Parallel dazu begleitete sie das Thema Wein weiter: mit Kursen, Ausbildungen und wachsender Begeisterung.
Der Wendepunkt kam bei einem Abendessen. Ein attraktives Jobangebot schien der logische nächste Karriereschritt in der Kommunikation zu sein. Doch in diesem Moment wurde Katharina klar, was sie wirklich wollte. Sie lehnte ab. Und kündigte stattdessen an, eine Winzerlehre zu beginnen. Eine Entscheidung, die sich richtig anfühlte, auch wenn sie überraschte. Da es in Österreich keine entsprechende Ausbildung gab, führte sie der Weg mit 30 Jahren in den deutschen Rheingau. Zwei Jahre Lehre, praktische Arbeit, bei Wind und Wetter. „Weinbau ist ein Handwerk“, sagt sie. Man müsse den Boden verstehen, Prozesse erleben, sich die Hände schmutzig machen. Nur so lernt man, was es braucht, um die gewünschte Qualität zu erreichen.
Nach der Lehre sammelte Katharina weitere Erfahrungen auf renommierten Weingütern in Deutschland und Frankreich. Besonders das Thema Sekt faszinierte sie – 2015 vertiefte sie ihr Know-how in der Pfalz. Präzision, Timing und Vertrauen standen im Mittelpunkt. „Wenn man zur richtigen Zeit das Richtige tut, kann die Traube vieles allein“, fasst sie zusammen. Dieses Urvertrauen lernte sie von ihren Meistern – und es prägt bis heute ihre Arbeit.
Katharinas Weine sind naturbelassen, mit reduzierten Eingriffen erzeugt. Respekt vor natürlichen Prozessen, viel Handarbeit und Zurückhaltung in der Technik stehen im Vordergrund. Oder wie sie es selbst formuliert: „Ich habe alle technischen Möglichkeiten kennengelernt, um zu verstehen, was ich weglassen kann.“
Heute ist Katharina beruflich angekommen. Aus Leidenschaft wurde Berufung. Im Familienbetrieb in der Wachau, den sie gemeinsam mit ihrem Mann führt, trägt sie Verantwortung für sieben fixe Mitarbeitende und bis zu 30 Erntehelferinnen und -helfer. Alle Stationen ihres Lebens helfen ihr dabei – vom Studium bis zur Erntearbeit. Lernen hört für sie nicht auf.
Und das Montafon? Bleibt ihr Anker. „Ich bin Montafonerin und werde es auch bleiben“, sagt sie. Ihr Konto bei der Raiffeisenbank Bludenz-Montafon ist für sie eine Konstante, eine verlässliche Säule. Heimat, Vertrauen und Unterstützung sind Werte, die sie stets begleitet haben. Und außerdem: Katharina Salzgeber hat noch viel vor.
Katharina Salzgeber
- Seit 2021 vollzeitlich am Nikolaihof Wachau, einem der ältesten biodynamischen Weingüter Österreichs, das seit Generationen von der Familie Saahs geführt wird.
- Arbeitet eng mit Nikolaus Saahs jun. zusammen – Partnerin im Leben und im Weinbau.
- Hauptaufgaben: Arbeit im Weingarten und Keller, von biodynamischer Bewirtschaftung über Traubenannahme und Vinifikation bis zu Reifung und Abfüllung.
- Der Nikolaihof praktiziert seit 1971 biodynamischen Weinbau nach Demeter-Richtlinien – lange bevor diese Standards formalisiert wurden.
- Katharina Salzgebers Arbeit folgt dem Prinzip: Naturprozesse respektieren, Handarbeit betonen und möglichst wenig in Gärung und Reifung eingreifen.
Quelle: vinaria.at