Nachhaltig bauen mit Weitblick: TRIQBRIQ erobert das Klostertal
Mit TRIQBRIQ entsteht im Klostertal ein neues Modell für nachhaltiges Bauen: regionale Produktion, kreislauffähige Materialien und kurze Transportwege. Initiiert von einer jungen Familie und getragen von einem starken Netzwerk.
Wie wollen wir eigentlich wohnen? Diese Frage stellten sich Julia und Lukas Reihs nach ihrer Hochzeit und der Geburt ihrer drei Kinder. Für die junge Familie standen ein gesundes Wohnklima, eine ökologische Bauweise und die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung im Vordergrund.
Zwar gibt es viele Möglichkeiten, ein Eigenheim nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wirklich überzeugt waren Julia und Lukas Reihs jedoch erst, als sie das System der TRIQBRIQ AG kennenlernten. Die Firma aus Stuttgart setzt auf ein mikro-modulares Holzbausystem. Die sogenannten „BRIQs“ bestehen aus Schwach- und Schadholz und kommen vollständig ohne Leim, Metall oder chemische Klebstoffe aus. Verbunden werden sie ausschließlich durch Holzdübel. Das Ergebnis ist ein kreislauffähiger und rückbaubarer Baustoff.
Das System erinnert ein wenig an die Matador-Bauklötze, die viele aus ihrer Kindheit kennen. Für Julia, die aus der Stauferstadt Göppingen kommt, und Lukas, der aus der Weltkulturerberegion Semmering-Rax stammt, war schnell klar: Sie wollen ihr Zuhause mit TRIQBRIQ bauen.
Von der Idee zur regionalen Produktion
Die Idee überzeugte, aber in der Umsetzung zeigten sich schnell erste Hürden. Lange Transportwege widersprachen dem Nachhaltigkeitsgedanken, zudem waren die Produktionskapazitäten begrenzt. Für Familie Reihs war klar: Wenn nachhaltig gebaut werden soll, dann mit Holz aus der Region und mit kurzen Wegen. Zunächst stand die Überlegung im Raum, sich mit weiteren Familien zusammenzutun, um nur den Baustoff für die Eigenheime vor Ort zu erzeugen. Dies wäre jedoch sehr aufwendig gewesen. Es entstand schließlich die Vision, TRIQBRIQ nach Vorarlberg zu holen.
Was folgte, war ein beeindruckender Schulterschluss regionaler Akteure. Standortanalysen wurden durchgeführt, Gespräche mit heimischen Tischlern, Transportunternehmen und Finanzierungsinstituten geführt. Schnell zeigte sich eine bemerkenswerte Bereitschaft – ja Begeisterung – für ein Projekt, das bewusst nicht im industriellen Großmaßstab, sondern mehrmals regional und mit viel Herzblut umgesetzt werden soll. Beginnend im Klostertal.
Die Idee zog weite Kreise und fand Unterstützung bei Bevölkerung, Gemeinden, Unternehmen und der lokalen Politik. Selbst in Wien wurde man aufmerksam: NEOS-Gründer Matthias Strolz engagierte sich gemeinsam mit weiteren Partnern für die Gründung der Holding TRIQBRIQ AT GmbH und der Tochter TRIQBRIQ Vlbg GmbH. Bis Herbst 2026 soll im Raum Bludenz-Klostertal eine eigene Produktion hochgefahren werden.
Die Lizenzgeberin bzw. Partnergesellschaft in Stuttgart zeigte sich beeindruckt von der Dynamik und dem Engagement im „Ländle“ und unterstützt den Aufbau der Produktion aktiv. Inzwischen werden Gespräche über eine österreichweite Lieferung und Produktion geführt. Brandneu ist zudem ein Joint Venture mit einem Bau- und Planungsunternehmen, das künftig alle Leistungen von der Bauplanung über den Selbstbau bis zur schlüsselfertigen Ausführung anbietet.
Das Geheimnis der BRIQS
Das Herzstück des Systems ist der TRIQBRIQ-Holzbaustein selbst. Sein Geheimnis liegt im Material und in der konsequenten Kreislaufidee: Verwendet wird sogenanntes Kalamitätsholz – also Holz aus Sturm- und Insektenschäden, Wipfelschnitten oder anderen Restbeständen. Jährlich fallen davon Millionen Festmeter an, die bislang meist verbrannt wurden.
Mit dem TRIQBRIQ-System entsteht daraus erstmals ein hochwertiger, wiederverwertbarer Rohbau. Auch rückläufiges Bauholz kann in den BRIQs weiterverwendet werden. Aus vermeintlichem Abfall wird so ein nachhaltiger Baustoff mit Zukunft.
Der Erfolg dieses Projekts zeigt eindrucksvoll, wie entscheidend starke regionale Netzwerke sind – vom Holzeinkauf über die Verarbeitung bis zur Finanzierung und Restmaterial-Verwertung.
Wir als Raiffeisenbank Bludenz-Montafon waren von Beginn an als Finanzierungspartner eingebunden. Unsere Beraterinnen und Berater haben die Realisierung mit großem Engagement begleitet. Denn im Klostertal verstehen wir uns nicht nur als Bank, sondern als Nachbar – und als verlässlicher Partner für zukunftsweisende Ideen.
Der Standard-BRIQ-Holzbaustein in Zahlen
- Besteht aus 21 Holz-Elementen und mehr als 30 Verbindungselementen
- Nur 4 Elemente sind statisch relevant und aus hochwertigem Material gefertigt
- Rund 5 Minuten Bauzeit pro Quadratmeter Wand
- Aktuell etwa 10.000 BRIQs Produktionskapazität pro Monat geplant
BU Titelbild: Das Triqbriq Gründerteam (v. l.): Norbert Keßler, Matthias Strolz, Lukas Reihs, Julia Reihs, Martin Drißner
Fotocredits: Stefan Six