Ist der Aufschwung abgesagt
Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Veränderungen prägen die aktuelle Lage. Gleichzeitig zeigen sich erste stabilisierende Entwicklungen – auch wenn klare Prognosen schwierig bleiben. Was bedeutet das für den Umgang mit Geld und Entscheidungen?
Ein Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern Elisabeth Strassmair und Stefan Wachter.
Frau Strassmair, Herr Wachter, gerade noch haben wir uns über vorsichtige Zeichen von Aufschwung gefreut. Wie sieht es damit angesichts der aktuellen Unruhen im Nahen Osten und Iran aus?
Elisabeth Strassmair: Als wir diese Ausgabe der Mitgliederzeitung Anfang März geplant haben, sah alles nach der Rückkehr des lang erwarteten Wirtschaftsaufschwunges aus. Mit dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Israel und den USA mit dem Iran und den militärischen Konflikten im Nahen Osten haben sich die Vorzeichen deutlich verändert. Aus heutiger Sicht (Ende März 2026) lässt sich nicht seriös einschätzen, wie lange die Angriffe andauern.
Stefan Wachter: Wir müssen daher in zwei Szenarien denken. Szenario 1: Die Angriffe werden kurzfristig beendet werden und es kehrt zeitnah wieder Ruhe ein. Dann sollte der Ölpreis wieder sinken und die wirtschaftliche Beeinträchtigung der Weltwirtschaft wäre wahrscheinlich relativ überschaubar und von kurzer Dauer gewesen. Die Hoffnung auf dieses Szenario sinkt allerdings mit jedem zusätzlichen Kriegstag. Szenario 2 sind weiter anhaltende bzw. sich ausbreitende Konflikte. Damit würde die Inflation und ein wahrscheinlicher Zinsanstieg wieder zurückkehren und der Aufschwung würde vorläufig ausbleiben. Mit jedem zusätzlichen Kriegstag wird Szenario 2 wahrscheinlicher.
Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Unsicherheit hoch bleibt. Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung wahr?
Strassmair: Die Unsicherheit ist spürbar, keine Frage. Themen wie Inflation, Zinsentwicklung oder geopolitische Spannungen wirken direkt auf den Alltag der Menschen. Gleichzeitig merken wir auch, dass negative Auswirkungen der Digitalisierung in Form des digitalen Betruges zunehmen. Daher ist es sehr wichtig, sowohl im persönlichen als auch im unternehmerischen Bereich wachsam zu sein.
Wachter: Wir beobachten, dass sich viele Menschen intensiver mit ihrer eigenen Situation auseinandersetzen. Es wird genauer hingeschaut, hinterfragt und abgewogen – etwa bei Ausgaben, Rücklagen oder geplanten Investitionen. Diese Entwicklung ist aus unserer Sicht weitestgehend positiv, weil sie zu mehr Klarheit führt.
Was bedeutet diese Situation konkret für den Umgang mit Geld und finanziellen Entscheidungen?
Wachter: Man muss sich ein Stück weit von der Erwartung lösen, die Zukunft exakt vorhersehen zu können. Gerade bei Themen wie Zinsen oder Märkten ist das derzeit – auf kurze Sicht – kaum möglich. Umso wichtiger ist es, sich auf die eigene Situation zu konzentrieren und dort anzusetzen, wo man selbst Einfluss hat. Das beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wie sehen meine laufenden Kosten aus? Welche Rücklagen habe ich? Welche Ziele verfolge ich mit welcher Priorität? Wer hier Klarheit hat, schafft sich eine gute Grundlage für Entscheidungen – bis zu einem gewissen Grad unabhängig davon, wie sich das Umfeld weiterentwickelt.
Viele reagieren auf Unsicherheit mit Zurückhaltung und verschieben Entscheidungen. Ist das aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?
Strassmair: Ja, absolut. Zurückhaltung ist eine natürliche Reaktion. Gleichzeitig sehen wir, dass reines Abwarten auf Dauer selten die beste Lösung ist. Wer Entscheidungen dauerhaft hinauszögert, verzichtet auch auf Chancen.
Wachter: Es geht darum, einen guten Mittelweg zu finden: nicht vorschnell zu handeln, aber auch nicht passiv zu bleiben. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo man sich bewusst mit der eigenen Situation auseinandersetzt und Schritt für Schritt vorgeht.
Welche Themen stehen derzeit besonders im Fokus Ihrer Kundinnen und Kunden?
Wachter: Insgesamt ist unser Lebensstandard sehr hoch. Den Menschen wird gleichzeitig immer stärker bewusst, dass sie in Sachen Vorsorge das Heft in die Hand nehmen müssen und sich nicht nur auf die staatliche Pension im Alter verlassen können. Dieser Aspekt ist in Sachen Finanzplanung ein sehr wichtiger Faktor. Hier gilt es die Möglichkeiten auszuloten und entsprechende Vorsorgepläne zu schaffen.
Strassmair: Im Bereich Wohnbau und Sanierung ist der Markt wieder angesprungen. Hier verzeichnen wir wieder ein klares Wachstum. Ganz wesentlich bei der Entscheidung für eine Wohnfinanzierung ist, dass unsere Kundinnen und Kunden auch den Sicherheitsaspekt im Vordergrund haben und etwaige Unwägbarkeiten abgesichert haben. Unsere Kund:innen schätzen es besonders, dass wir die Wohnbauberatung in Schruns und Bludenz anbieten.
Welche Rolle spielt dabei die persönliche Beratung?
Strassmair: Eine sehr zentrale. Wir finden heute jegliche Information im Internet. Oft wird man aber stark in eine Richtung gelenkt. Das Bedürfnis nach Orientierung und dem Gespräch mit kompetenten Berater:innen ist gestiegen. Im persönlichen Gespräch lassen sich Zusammenhänge besser einordnen und Lösungen entwickeln, die zur eigenen Situation passen.
Wachter: Wir verstehen uns dabei als Sparringpartner. Es geht darum, gemeinsam Optionen durchzudenken, Chancen und Risiken abzuwägen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Das schafft Sicherheit – auch in einem bewegten Umfeld.
Was möchten Sie den Menschen in der Region abschließend mitgeben?
Strassmair: Sich nicht von der Komplexität abschrecken zu lassen. Viele Themen wirken auf den ersten Blick schwierig. Es ist aber unsere Aufgabe, Zusammenhänge verständlich zu erklären.
Wachter: Und den Mut, ins Handeln zu kommen, um den eigenen Weg Schritt für Schritt zu gehen.
Hinweis:
Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses Ende März 2026 waren militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie in weiteren Teilen des Nahen Ostens im Gange. Die weitere Entwicklung bis zum Versand dieser Ausgabe konnte daher nicht berücksichtigt werden. Wir bitten um Verständnis.