Rezepte zur Diversifizierung von Führungsstrukturen

Im Foto von links: Harald Ronacher, Kurator des Seebrunner Kreises, Dr. Anna Doblhofer-Bachleitner (Geschäftsleitung Raiffeisenverband Salzburg), Dr. Brigitte Bach (Vorständin Salzburg AG), Mag. Allegra Frommer (Vorstandsvorsitzende HOGAST) und Mag. Wilfried Weitgasser (Geschäftsführer Porsche Austria).
© Seebrunner Kreis/Waltraud Dorn
Im Foto von links: Harald Ronacher, Kurator des Seebrunner Kreises, Dr. Anna Doblhofer-Bachleitner (Geschäftsleitung Raiffeisenverband Salzburg), Dr. Brigitte Bach (Vorständin Salzburg AG), Mag. Allegra Frommer (Vorstandsvorsitzende HOGAST) und Mag. Wilfried Weitgasser (Geschäftsführer Porsche Austria).

Rezepte zu Diversifizierung von Führungskulturen

Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Was Unternehmen tun, um mehr Diversität in die Führungsteams zu bringen, diskutierten auf Einladung des Seebrunner Kreises Dr. Anna Doblhofer-Bachleitner (Geschäftsleitung Raiffeisenverband Salzburg), Mag. Allegra Frommer (Vorstandsvorsitzende HOGAST), Dr. Brigitte Bach (Vorständin Salzburg AG) und Mag. Wilfried Weitgasser (Geschäftsführer Porsche Austria).

Die Maßnahmen, die in den drei großen Salzburger Unternehmen gesetzt werden, um die Diversität in den Führungsteams zu erhöhen, sind mannigfaltig. 

An vorderster Front stehen Talentemanagement, Mentoring bei der Karriere von Frauen, Chancengleichheit bei Bewerbungen und nicht zuletzt die Ermutigung, technische Bildungswege einzuschlagen. Einig waren sich die DiskutantInnen am Podium darüber, dass angesichts der demographischen Entwicklung kein Weg an der gezielten Förderung von Karrieren von Frauen in den Betrieben vorbeiführt. Brigitte Bach wies darauf hin, dass Studien ergaben, dass diverse Teams die wirtschaftlichen Ergebnisse um 57 % verbessern, „weil sie lösungsorientierter, kreativer, nachhaltiger und erfolgreicher agieren.“ Wobei divers unterschiedliches Alter, geographische Herkunft und Geschlecht der Teammitglieder umfasst.

 

Plattform macht weibliche Talente sichtbar

Luft nach oben gibt es trotz aller Bemühungen der letzten Jahre jedenfalls, was Anna Doblhofer-Bachleitner anhand einiger Zahlen aus dem Raiffeisensektor belegt. Während bei den Mitarbeitenden das Verhältnis Frauen zu Männern ausgeglichen ist, sind von den 75 Geschäftsleitern der Salzburger Raiffeisenbanken nur zwei Frauen, von 27 Abteilungen des Raiffeisenverbandes werden zwei von Frauen geführt. Um hier voranzukommen, wurde die Plattform „Treffpunkt ­­­Amalie“ gegründet, benannt nach der Tochter von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Zwei Mal im Jahr treffen sich 130 Funktionärinnen, weibliche Führungskräfte und Talente zum Austausch. Diese Plattform dient dazu, Frauen sichtbarer und ihnen auch Mut zu machen.

 

Junge Familien werden unterstützt

Eine erfolgreiche Innovation, die der Raiffeisenverband eingeführt hat, ist das Sommerprogramm in den Schulferien. Kinder werden hier betreut, womit gerade jungen Familien geholfen wird. Bei Porsche wurde ein Betriebskindergarten installiert, der das ganze Jahr über geöffnet ist. Das helfe Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf, erklärte Wilfried Weitgasser, dem wichtig ist, dass Frauen keine Nachteile für die eigene Karriere haben, wenn sie Kinder bekommen. Porsche hat hier einen beachtenswerten Schritt gesetzt: Männer, die in Papakarenz gehen, erhalten dafür Gutpunkte für die Karriere. „Wir schaffen es damit, die Karenz positiv zu besetzen“, berichtete Weitgasser.  

 

Frauen frühzeitig für Technik interessieren

Bei der Salzburg AG gibt es das Progamm #DIEzukunft. Dieses 2020 eingeführte Programm für Chancengleichheit im Unternehmen hat das Ziel, gleiche Arbeitsbedingungen und eine faire berufliche Entwicklung für alle zu ermöglichen, schilderte Brigitte Bach. Die Salzburg AG positioniere sich als attraktiver Arbeitgeber, versuche 30 bis 40 % der weiblichen Absolventinnen technischer Studien zu akquirieren. Dabei werde in der Kommunikation sehr darauf geachtet, welche Bilder und Inhalte vermittelt werden, denn das nehmen Frauen genauer wahr als Männer. Die Salzburg AG führt Mädchen schon sehr früh an die Technik heran. Dafür wurden Robocamps in den Sommerferien eingerichtet, in denen schon Kindergartenkinder lernen, wie Miniroboter programmiert werden. „Es ist eine Freude, zuzusehen, mit welchem Eifer die Mädchen den Maschinen beibringen, zu tanzen.“

 

Frauenförderung als Kompetenzfrage

Die neue Geschäftsführerin der Hogast, Allegra Frommer, hat es in ihrem Beruf mehrheitlich mit Frauen als Kundinnen der Einkaufsgenossenschaft zu tun, weil der Tourismus überwiegend von Frauen in Führungspositionen gemanagt wird. Frauenförderung sieht sie insbesondere darin, dass sie eine gute Ausbildung erfahren und damit kompetent in ihrem Beruf sind. Was sie nicht möchte ist eine Reduktion der Karriere von Frauen darauf, dass sie eben Frauen sind. „Das finde ich fast schon beleidigend. Ich möchte eine Gleichberechtigung der Geschlechter bei der die oder der beste Kandidat ausgewählt wird.“