30.09.2021 - Nachhaltiges Zusammenwirken

In der Raiffeisen Bank International diskutierten Experten aus verschiedenen Branchen den Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und die Rolle der Finanzwirtschaft.

Florian Heindl, Lisa Grasl, Sigrid Stagl, Harald Kröger und Sara Hennicken (zugeschaltet) wissen, dass die Pariser Klimaziele nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung erreicht werden können.
© RBI

RBI Vorreiter beim Thema Sustainable Finance

"Die Transformation unserer Wirtschaft ist zweifellos eine Herausforderung, die niemand allein bewältigen kann - weder die Politik, noch die Unternehmen, noch Umweltschützer. Das Thema Nachhaltigkeit ist allumfassend und sehr komplex. Die Lösungsansätze können nur gemeinsam entwickelt werden", betont Peter Lennkh, Firmenkundenvorstand der Raiffeisen Bank International. Dementsprechend bunt war auch die Liste der Podiumsteilnehmer: Florian Heindl vom Flugzeugzulieferer FACC, Lisa Grasl von Global 2000, Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien, Sara Hennicken vom Gesundheitskonzern Fresenius sowie Harald Kröger von der RBI diskutierten über die Rolle der Finanzindustrie auf dem Weg in eine nachhaltigere Wirtschaft. Die Brisanz des Themas unterstreichen die rund 200 Teilnehmer, die die Veranstaltung vor Ort bzw. vor dem Bildschirm mitverfolgten.

Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, der unser Leben signifikant verändern wird, ist Lennkh überzeugt: "Was vor zwei Jahren noch visionär, wenn nicht sogar illusionär geklungen hat, wurde Realität. ESG ist dabei, die Beziehung zwischen Unternehmen und Banken neu zu definieren. Die Einschätzung der Nachhaltigkeit ist zum ausschlaggebenden Kriterium für eine Bankbeziehung geworden." Als Bank sei man heute - teilweise von regulatorischer Seite getrieben - daran interessiert, den ökologischen Fußabdruck der Kunden zu kennen. Aber nicht nur das: "Es geht um intensiven Kundendialog und intensive Beratung mit dem Ziel, den Firmen ein nachhaltigeres Geschäftsmodell zu ermöglichen", so Lennkh. In die Expertise der Betreuer entlang aller Bankprodukte habe man bereits viel investiert und so kann sich die Raiffeisen Bank International zu Recht als Vorreiter beim Thema Sustainable Finance in Österreich und Zentral- und Osteuropa sehen: Mit 1,3 Mrd. Euro ist die RBI der größte Green-Bond-Emittent in Österreich. Und auch in Slowenien, Rumänien und Tschechien wurden heuer bereits Green Bonds mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro ausgegeben. Auch bei der Anzahl der Transaktionen ist die RBI klare Nummer eins im CEE-Raum.
 

Intensive Anstrengungen

Die Anstrengungen hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaften werden in manchen Ländern in Zentral- und Südeuropa intensiver sein müssen, betont Eva Maydell, Mitglied des Europäischen Parlaments, in ihrer Keynote: "In der CEE-Region ist der Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt deutlich höher als jener von Dienstleistungen. Ein Anstieg der Strompreise könnte zu negativen Effekten auf die Wettbewerbsfähigkeit der CEE-Wirtschaft führen." Die EU unterstütze deshalb die Umstellung auf klimafreundliche Produktionsweisen mit Förderungen und Anreizen, aber das allein werde nicht helfen, ist die bulgarische Politikerin überzeugt: "Die Finanzindustrie und Investoren müssen bei dieser Transformation mithelfen."

Auch Sigrid Stagl von der WU plädiert: "Wir müssen gemeinsam gehen, aber wir müssen schneller gehen." Denn die Technologien werden zwar grüner, aber gleichzeitig werde immer mehr produziert. Durch Corona hätten sich die CO2-Emissionen um 6,4 Prozent reduziert, allerdings müsste, damit die EU die Pariser Ziele erreicht, das Minus sieben Prozent pro Jahr bedeuten, weiß Stagl.

Um den Klimawandel aufzuhalten, muss also noch viel geschehen. Dabei kann nicht ein Sektor oder ein Land oder ein Unternehmen die Welt retten, sondern alle müssen einen Beitrag leisten. In der RBI-Diskussionsrunde kristallisierten sich vier Schlüsselbegriffe heraus, die in Zukunft noch gefragter sein werden: Dialog, Zusammenarbeit, Transparenz und Berichtswesen. Die grüne Transformation sei nur in einem besseren Zusammenwirken aller Beteiligten möglich.

 

Quelle: Raiffeisenzeitung; Text: Elisabeth Hell
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