Der Welthandel im Bann der Lieferketten

Der globale Lockdown im Frühjahr 2020 hat den Welthandel in eine Schockstarre versetzt. Zuerst wurden aus Asien gestörte Lieferketten und geschlossene Fabriken vermeldet. Mit einem Übergreifen der Pandemie auf Europa brach dann auch die Nachfrage weg. Dies führte zu einem Einbruch des Welthandelsvolumens zwischen Dezember 2019 und Mai 2020 um 16 %. Durch ausgeklügelte Hygienekonzepte konnten allerdings viele Industriebetriebe wieder recht bald zu einem Normalbetrieb übergehen.

Aktuell kommt es wieder zu verstärkten Lieferengpässen. So führen z. B. verzögerte Lieferungen von Halbleitern zu Produktionsunterbrechungen bei Automobilherstellern. Auch gibt es empfindliche Preissteigerungen im Bereich Holz, Stahl und auch Dämmmaterial zu verzeichnen. Aber auch verschiedenste Chemikalien, Mörtel, Putz, Lacke, Glas oder Verpackungsmaterialien sind davon betroffen. Dazu sind zusätzlich noch die Transportkosten aufgrund mangelnder Transportkapazitäten gestiegen. Dies führt zu stark steigenden Preisen in der Bauwirtschaft. Insbesondere betroffen sind jene Baustoffe, die importiert werden müssen. Bei Baumaterialien, die lokal produziert werden können, gibt es diese starken Anstiege nicht.

Nachfrage-HOCHzeit

War die schwierige Situation im letzten Jahr noch auf geschlossene Produktionen zurückzuführen, so sind die aktuellen Preissteigerungen und Lieferengpässe jetzt in einer verstärkten Nachfrage begründet. Die Gründe dafür liegen einerseits in einer raschen wirtschaftlichen Erholung v. a. in China und den USA. Andererseits hat die Pandemie in Europa auch zu einem Heimwerkerboom geführt, was auch hier die Nachfrage anheizt.

Die gute Nachricht ist, dass die gestiegene Nachfrage zu einer sehr positiven Entwicklung des Welthandels führt, auch wenn das Angebot mit dieser gestiegenen Nachfrage derzeit nicht Schritt halten kann. Der Welthandel wird damit wieder zum Motor der globalen Konjunktur. Diese Entwicklung des Welthandels ist wachstumsstützend und industrielastige Länder wie Deutschland und Österreich sollten davon profitieren. Aber auch die Baubranche trägt – nicht zuletzt durch Investitionen, insbesondere unterstützt durch staatliche Maßnahmen wie die Investitionsprämie – zur hohen Nachfrage bei. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Angebot und Nachfrage, wenngleich auch auf einem höheren Preisniveau, wieder in ein Gleichgewicht finden und die Lieferproblematik sich in der zweiten Jahreshälfte entspannen wird. Denn die Produktionskapazitäten können vielfach erst mit Vorlaufzeiten von einigen Monaten angepasst werden.

Zusätzlich ist die tagelange Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff „Ever Given“ zur Unzeit gekommen, als die Lieferketten ohnehin schon unter Druck standen. Bei vielen Unternehmen führt die aktuelle Situation zu einem Umdenken. So wird die Just-in-Time-Delivery infrage gestellt und Lager aufgestockt bzw. Lieferketten diversifiziert. Auch prüfen viele Unternehmen, ob ein großer Teil der Wertschöpfung wieder in Europa stattfinden kann (Nearshoring). Davon könnten in erster Linie die Länder Osteuropas profitieren.

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Exportwirtschaft am Standort Tirol

Tirol wird gemeinhin als Tourismusland wahrgenommen, dabei wird vielfach unterschätzt, wie wichtig die Exportwirtschaft für den Standort Tirol ist: Mit 13,2 Milliarden Euro erreichten die Tiroler Güter-Exporte 2019 ihren bisherigen Höchststand. Zum Vergleich dazu: Im gleichen Zeitraum wurde im Tourismus ein Umsatz von 8,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Durch die Coronavirus-Pandemie wurde die Exportwirtschaft im Vorjahr dann eingebremst, das schlägt sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland nieder. Im ersten Halbjahr 2020, für das die Zahlen vorliegen, erreichte das Exportvolumen aller Tiroler Unternehmen nur mehr ca. 6,3 Milliarden Euro und lag damit um 4,2 % unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Autor: 
Mag. Gerhard Huter, MBA - Experte Auslandsgeschäft der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG

 

Tiroler Dorf mit Kirche und Fluss
©Santi Rodríguez - stock.adobe.com

Exportkompetenz-Werkstatt

Auch die WKO Tirol unterstützt die exportierenden Unternehmen. Im Rahmen der „Exportkompetenz-Werkstatt“ werden in 6 Online-Blöcken im Zeitraum 10. Mai bis 30. Juni 2021 grundlegende Themen rund um das Auslandsgeschäft behandelt. Der Themenblock „Exportfinanzierungen“ am 30. Juni 2021 wird vom Raiffeisen-Fachexperten für Außenhandel, Mag. Gerhard Huter, MBA, geleitet. In diesem Modul werden die möglichen Risiken im Export beleuchtet und verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, um diese Risiken abzusichern. Dabei werden Instrumente wie Akkreditive, Garantien, Kreditversicherungen, Währungsabsicherungen und Absicherungsmöglichkeiten über die OeKB vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den verschiedenen Möglichkeiten, diese Exporte zu finanzieren.

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