selbstbewusst

Literarische Annäherungen

Als Ort, an dem das Fernweh gelindert, die Abenteuerlust gestillt werden sollte, als wilder, karger Flecken galt den Reisenden des 19. Jahrhunderts das Hintere Ötztal. Mit der Sehnsucht des Flachländers schrieb der deutsche Autor und Ingenieur Max Eyth am 17. Juni 1888 in einem Brief aus Breslau: "Morgen packe auch ich meine sieben Sachen zusammen. In den Bergen, diesmal im Ötztal, wo das höchste Dörfchen Europas liegen soll, hoffe ich, wieder hoffen zu lernen. Es zieht doch alles nach oben, wenn es hier unten zu toll wird."

Andere Gäste, die wie Eyth den beschwerlichen Weg in die Berge auf sich nahmen, aber auch der in Vent lebende Kurat Franz Senn berichten von einem abgehärteten, lustigen Menschenschlag und prachtvoller Natur.

Mit dem Abflauen der romantischen Reiseliteratur und der Wandlung der Gemeinden zu touristischen Zentren veränderte sich auch die literarische Sicht auf die Region. Im ausgehenden 20. Jahrhundert tritt an die Stelle der romantischen Verklärung die Ernüchterung der im Ötztal Geborenen, denen es mitunter hier oben zu toll wird.