Elisabeth Köstinger bei Ministerin im Dialog in der RLB OÖ

Wir brauchen bei verarbeiteten Produkten eine transparente Herkunftskennzeichnung -  der Rot-Weiß-Rot-Aufdruck alleine reicht nicht

09.04.2019 | Der Kampf gegen den Klimawandel, der Preisdruck bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie der steigende Aufwand durch Richtlinien und Auflagen – über diese Herausforderungen für die österreichische Landwirtschaft diskutierte Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, am 09. April 2019 in der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) mit Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, Bauernbund-Präsident Georg Strasser und Jakob Auer, Aufsichtsratspräsident der Raiffeisenlandesbank OÖ. Gastgeber und RLB OÖ-Generaldirektor Heinrich Schaller begrüßte rund 1000 Gäste im RaiffeisenForum: „Der Raiffeisen-Sektor ist aus dem regionalen und landwirtschaftlichen Bereich heraus groß geworden und als Genossenschaft besonders um Nachhaltigkeit bemüht. Wir setzen daher nachhaltige Akzente und denken dabei in Generationen. Die Förderung und Finanzierung von Projekten im Agrar-Bereich ist uns dabei besonders wichtig“, so Schaller. 

Zusammenhalt in schwierigen Zeiten

„Die Auswirkungen des Klimawandels kommen bei denjenigen als erstes an, die unter freiem Himmel arbeiten. Mit dem Borkenkäferbefall und den damit verbundenen Mengen an Schadholz steht der Agrarbereich vor massiven Herausforderungen“, so Ministerin Elisabeth Köstinger in ihrem Eingangsstatement. Zwar könne man mit Versicherungslösungen, Zuschüssen oder Lagerlösungen den Forstwirten Hilfe zur Selbsthilfe geben, dennoch nimmt Köstinger aber auch die Wirtschaft in die Pflicht: „Der Holzpreis ist aktuell im Keller, auch weil billiges Holz importiert wird. In schwierigen Zeiten gilt es zusammenzuhalten und die heimischen Bauern und Forstwirte zu unterstützen.“ Das Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sieht es als wesentliche Aufgabe, mehr Chancengleichheit für bäuerliche Betriebe zu schaffen, manche Lösungen seien aber nicht „auf Knopfdruck verfügbar“. 

Köstinger: „Rot-weiß-Rot-Aufdruck alleine reicht nicht“

Auch im Bereich Lebensmittelkennzeichnung möchte Köstinger in den nächsten Monaten klare Initiativen im Sinne der heimischen Landwirtschaft setzen: „Bei verarbeiteten Produkten brauchen wir eine stärkere Kennzeichnung. Der Konsument soll eine Hilfestellung bekommen, woher die Rohstoffe eines Produktes wie Eier oder Fleisch stammen. Der Rot-Weiß-Rot-Aufdruck alleine reicht nicht“, so die Ministerin. Im Zeitalter der Digitalisierung sei es an sich relativ einfach, die Herkunft entsprechend transparent und für den Endverbraucher verständlich darzustellen. Ziel sei es, gemeinsam mit der Wirtschaft eine Lösung zu erarbeiten. Vorbilder dafür könnten Modelle sein, die es jetzt bereits in Italien und Frankreich gibt. 

Achleitner: „Landwirtschaft und Tourismus gehören zusammen“

Einen Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Tourismus forderte Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, denn „das eine profitiert vom anderen“. „Daher haben wir beispielsweise auch den runden Tisch `Sicher wandern in Oberösterreich` initiiert“, so Achleitner. Als große, aber enorm wichtige Herausforderung der Zukunft nannte Achleitner das Energiethema. Hier seien bereits klare Ziele festgelegt: „Bei der Klimakonferenz in Paris wurde der Ausstieg aus Öl bis 2050 vereinbart. Dieser Prozess hat bei uns bereits begonnen. Wir empfehlen den Umstieg von Ölheizungen auf erneuerbare Energien und bieten dazu auch zahlreiche Förderungen an.“ In Sachen Digitalisierung und ländlicher Raum ist Wirtschaftslandesrat Achleitner überzeugt, dass die Politik am Zug sei: „Der ländliche Raum darf digital nicht austrocknen. Daher muss die Politik für eine entsprechende digitale Infrastruktur in den Regionen sorgen.“

Strasser: „Mehr Leistung, weniger Geld – das funktioniert nicht“

Bauernbund-Präsident Georg Strasser sieht bei immer strenger werdenden Auflagen - etwa bei Genehmigungsverfahren oder Naturschutz-Richtlinien -  dringenden Handlungsbedarf, um insbesondere den Fortbestand von bäuerlichen Familienbetrieben zu sichern: "Wir fürchten den Wettbewerb nicht. Es müssen aber Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit wir ihm auf Augenhöhe begegnen können. Wir wünschen uns bei der gemeinsamen Agrarpolitik gut harmonisierte Vorschläge aus Brüssel. Der aktuelle Vorschlag - mehr Leistung und weniger Geld - funktioniert nicht."

Auer: „Genossenschaften meistern die Herausforderungen unserer Zeit“

Eine Brücke zwischen Politik und Genossenschaften baute Jakob Auer, Präsident des Aufsichtsrates der Raiffeisenlandesbank OÖ, langgedienter Nationalratsabgeordneter und ehemaliger Präsident des österreichischen Bauernbundes: „Genossenschaften sind eine wichtige Stütze für die Bäuerinnen und Bauern, aber auch für den ländlichen Raum. Sie sind durch die Bündelung regionaler Kräfte zum Wohl ihrer Mitglieder und Kunden nachhaltig erfolgreich.“ Politisch sieht Auer eine schwierige Phase auf die heimische Landwirtschaft zukommen. Gerade durch den Brexit und die anstehenden Verhandlungen zur Finanzierung der neuen gemeinsamen Agrarpolitik stünden wichtige Themen an. „Umso wertvoller ist eine Politik, die auf Vernunft und Anstand aufbaut“, lobte Auer die Arbeit von Köstinger, Strasser und Achleitner.

Bildtext (Fotos honorarfrei; Credit: RLB OÖ/Strobl)