15. Wissenschaftspreis der Raiffeisenlandesbank OÖ verliehen – Gastredner IHS-Chef Martin Kocher:

„Brexit kann Hinweis dafür sein, dass wir an die Grenzen der Globalisierung stoßen“

18.11.2019 | Am 18. November 2019 wurde in der Raiffeisenlandesbank OÖ bereits zum 15. Mal der Wissenschaftspreis im Rahmen einer feierlichen Gala vergeben. Ausgezeichnet wurden dabei exzellente wissenschaftliche Arbeiten zu bank-, geld- oder kreditspezifischen Themen, die an einer der Fakultäten der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) verfasst wurden. „Der Wissenschaftspreis steht für den intensiven Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch für die besondere Verbundenheit der Raiffeisenlandesbank OÖ mit der JKU Linz“, sagte Michaela Keplinger-Mitterlehner, stellvertretende Generaldirektorin der RLB OÖ und Gastgeberin des Abends bei ihrem Eröffnungsstatement. „Wissen in die Gesellschaft und Wirtschaft zu bringen, ist heute ein Schlüsselfaktor für Universitäten. Mit dem Wissenschaftspreis können wir darüber hinaus Motivation und Anreiz für den Nachwuchs, dem aktuell wohl wichtigsten Standortfaktor, bieten“, sagte Meinhard Lukas, Rektor der Johannes Kepler Universität Linz.

 

Arbeiten aus unterschiedlichsten Themengebieten

Prämiert wurden heuer vier Arbeiten aus insgesamt 24 Einreichungen: eine Diplomarbeit, eine Masterthesis und zwei Dissertationen, allesamt aus unterschiedlichen Fakultäten. Ausgewählt wurden die Arbeiten von einer Jury unter der Leitung des renommierten Ökonomen und emeritierten Linzer Universitäts-Professors für Wirtschaft Friedrich Schneider. Die thematische Bandbreite reicht dabei von neuen Ansätzen für den Datenschutz auf mobilen Geräten bis hin zu Motiven, Verhaltensweisen und Potenzialen bei nachhaltigen Investments.  

 

Martin Kocher: „How to Brexit“

Die Zukunft Europas sowie mögliche Folgen und Schlussfolgerungen aus dem Brexit standen im Mittelpunkt des Vortrags von Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS). Unter dem Titel „How to Brexit“ gab er einen Überblick über die ökonomischen Gesichtspunkte des geplanten EU-Austritts von Großbritannien. „Der Brexit könnte ein Hinweis darauf sein, dass wir mit der Globalisierung an unsere Grenzen beziehungsweise an ein Maximum stoßen. 2019 wird zwar die Weltwirtschaftsleistung weiter steigen, aber es wird gleichzeitig das erste Jahr sein, in dem der Welthandel zurückgeht, und zwar um rund 1,3 Prozent“, so Kocher. Auch mit der weiteren Integration von Wirtschaftsräumen scheine man aktuell an Grenzen zu stoßen. Die entstandenen Handelsblöcke würden sich zunehmend voneinander abschotten, zum Nachteil für die Entwicklung der Weltwirtschaft. 

 

„Österreich nur mittelmäßig betroffen“

“Europa hat ein Netz an äußerst komplexen Handelsverflechtungen, von der EU über die Eurozone, dem Schengen-Raum bis hin zu den Visegrad-Staaten. Es veranschaulicht, wie schwierig es ist, sich von Europa wegzuentwickeln. Mit dem Brexit läuft Großbritannien Gefahr, sich langfristig weiter zu entfernen als die Türkei“, so der Ökonom. Die Auswirkungen für Österreich bei einem möglichen Brexit beschreibt Kocher so: „Österreich zählt zu jener Gruppe, die wirtschaftlich nur mittelmäßig betroffen sein wird. Effekte auf das kurzfristige Wachstum werden aktuell mit minus 0,1 Prozent bis minus 0,3 Prozent prognostiziert. Ein größeres Problem ist, dass mit Großbritannien ein Netto-Zahler der EU wegfällt, für Österreich würde das eine deutliche Erhöhung des Beitrags bedeuten.“ 

 

Europa braucht Antworten

Dass durch den Brexit aktuell viele entscheidende Fragen für Europa in den Hintergrund rücken, davon ist die stellvertretende Generaldirektorin der RLB OÖ, Michaela Keplinger-Mitterlehner, überzeugt. Sie nahm in ihrem Statement dabei Bezug auf Aussagen des Politologen Ivan Krastev: „Stimmt es, dass sich Europäer aktuell in vielen Bereichen nicht wie Akteure, sondern wie Kommentatoren verhalten? Ist Emmanuel Macrons Weg zielführender, Europa wie einen Hedgefonds zu führen oder der deutsche Weg Angela Merkels, Europa wie einen Pensionsfonds zu verwalten? Ist der Klimawandel eine Chance, die Europa einen wird? Das alles sind Fragen, zu deren Beantwortung vielleicht sogar der ein oder andere Studierende der Johannes Kepler Universität Linz einen Beitrag leisten kann“, so Keplinger-Mitterlehner.

Details zum Wissenschaftspreis und den prämierten Arbeiten (PDF)
 

Fotos (RLB OÖ/Maringer)

v. l. n. r.: GD-Stv. Michaela Keplinger-Mitterlehner, IHS-Chef Martin Kocher, die Preisträger Florian Mayer, Manuel Kienbacher, Rene Mayrhofer (in Vertretung von Rainhard Dieter Findling), Thomas Brunner-Kirchmair, JKU-Rektor Meinhard Lukas, Business-Upper-Austria-Geschäftsführer Werner Pamminger und Jury-Vorsitzender Friedrich Schneider.
v. l. n. r.: GD-Stv. Michaela Keplinger-Mitterlehner, IHS-Chef Martin Kocher, die Preisträger Florian Mayer, Manuel Kienbacher, Rene Mayrhofer (in Vertretung von Rainhard Dieter Findling), Thomas Brunner-Kirchmair, JKU-Rektor Meinhard Lukas, Business-Upper-Austria-Geschäftsführer Werner Pamminger und Jury-Vorsitzender Friedrich Schneider.
GD-Stv. Michaela Keplinger-Mitterlehner mit JKU-Rektor Meinhard Lukas.
GD-Stv. Michaela Keplinger-Mitterlehner mit JKU-Rektor Meinhard Lukas.