Wald mit einem Stapel abgesägter Baumstämme bei strahlendem Sonnenschein
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DAS HÖCHSTE HOLZ-HOCHHAUS ÖSTERREICHS

Interview mit Caroline Palfy

Caroline Palfy im Interview

business: Sie entwickelten das höchste Holzhaus Österreichs und das zweithöchste der Welt in der Seestadt Aspern. Sowohl der Superlativ als auch der Werkstoff werfen gleich zu Beginn zwei Fragen auf: Warum Holz? Und warum das Höchste?

Caroline Palfy: „Im Jahr 2014, ich weiß das noch genau, dass es an einem trüben Novembersonntag war, als ich mir für unsere Baufelder in der Seestadt Ideen überlegen sollte. Und so begann ich mit einer grundsätzlich simplen Überlegung: Wie kann man den Werkstoff Holz für unsere zukünftige Generation in einem neuen Stadtteil sinnvoll einsetzen? Der Gedanke, die Machbarkeit eines so großvolumigen Holz-Projekts zu überprüfen, ließ mich nicht mehr los. Vier Monate dauerte die Prüfung aller Risiken, immer in enger Abstimmung des Kernteams mit den Behörden. Dass das HoHo Wien mit Ende des Jahres schon fertig gebaut sein wird, beweist, dass der derzeit vorherrschende Holz-Boom nicht nur ein Trend ist, sondern Holz verstärkt als gleichwertiger Baustoff im urbanen Raum genutzt werden kann. Und ja, wir sind das höchste Holz-Hochhaus Österreichs und das zweithöchste der Welt! Wobei mein Fokus mehr auf Holz anstatt auf hoch liegt.“

business: Ihr Fokus auf nachhaltige und ökologische Bauweisen kommt am speziellsten in der Holz-Hybridbauweise zum Ausdruck. Warum leistet man als Liegenschaftsentwickler diese Pionierarbeit auf dem Immobilien-Markt? Zahlt sich das aus?  

Caroline Palfy: Es verwundert eher, dass Holz quasi in Vergessenheit geraten war und jetzt plötzlich eine Art „come back“ erlebt. Wir leben in Österreich in einem Holzland, diese wertvolle Ressource sollten wir nützen. Die aktuellen technischen Möglichkeiten bieten die Chance, Holz auch als wesentliches Element im Hochhausbau einzusetzen. Aber natürlich muss man auf die Kosten achten, es gilt alle wirtschaftlichen sowie ökologischen Vorteile zu nutzen. Wir haben das Glück mit Günter Kerbler einen holzaffinen Investor zu haben, der sich auch etwas traut! Das HoHo Wien ist hinsichtlich Zeit- und Kostenaufwand nur schwer mit anderen Gebäuden vergleichbar. Das Projekt kostet rund zehn Prozent mehr als Projekte in konventioneller Bauweise, die kürzere Bauzeit könnte den höheren Aufwand jedoch kompensieren. Was wirklich rauskommt, ist derzeit noch nicht genau zu sagen. Unser Projekt HoHo Wien liegt im Vergleich bereits bei 30% Mehrkosten, da wir als Pionier zu Beginn einiges bezüglich der Durchführbarkeit testen mussten. Uns ging es darum, zu zeigen was möglich ist und etwas zurückzugeben, für unsere Kinder. Der Holzbau ist in jedem Fall im Vormarsch!“

business: Der höchste, des insgesamt fünf Baukörper umfassenden HOHO Wien, ist 24 Stockwerke, also 84 Meter, hoch. Der Holzbauanteil ab Erdgeschoss beträgt 75 Prozent. Somit wurden rund 4.600 Kubikmeter Holz verbaut. Woher stammt das Holz und welche Auswirkung hat die Nutzung auf den österreichischen Holzvorrat?

Caroline Palfy: Das Holz für die Holzverbund-Deckenelemente von MMK, einem Joint Venture der Mayr-Melnhof Holding AG und der Kirchdorfer Gruppe stammt aus Eigenforst von Mayr-Melnhof, aber auch die Brettsperrholz-Wände und Brettschichtholz-Stützen von HASSLACHER NORICA TIMBER kommen zur Gänze aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. In Österreich wachsen 2020 jährlich 30 Millionen Kubikmeter Holz nach, davon werden 26 Millionen Kubikmeter genutzt. Die restlichen 4 Millionen Kubikmeter verbleiben im Wald und vergrößern stetig den Holzvorrat. Das bedeutet, dass in jeder Sekunde 1 Kubikmeter Holz nachwächst, d.h. dass das gesamte HoHo Wien derzeit in nur einer Stunde und 17 Minuten in unseren heimischen Wäldern nachgewachsen wäre.

business: Die cetus Baudevelopment GmbH, deren Geschäftsführung Sie innehaben, ist spezialisiert auf Immobilien- und Liegenschaftsentwicklung in besonders dynamischen Wachstumslagen im Raum Wien. Auf welche gebauten Utopien dürfen wir uns in Zukunft aus Ihrem Hause freuen?

Caroline Palfy: Sagen wir es so, es werden keine Utopien, sondern wir bleiben unserem Credo treu, dass man den richtigen Werkstoff für das richtige Gebäude und die richtige Idee einsetzt. Bei uns wird es nie ein Entweder-Oder, sondern immer ein Miteinander geben – egal, ob beim Bauen, beim Werkstoff oder mit unseren Kunden und Partnern.

Caroline Palfy - Zur Person

Caroline Palfy wurde 1979 in Wien geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem HTL-Kolleg und der Geburt ihrer Zwillingstöchter 2000, arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros. 2004 wechselt sie in die Immobilienbranche bzw. Althaussanierung zu Günter Kerblers conwert Immobilien Invest SE. Bis zuletzt hatte Palfy die Leitung des Baumanagements und die Funktion als Prokuristin in der Conwert Baudevelopment GmbH inne. 2012 absolviert sie erfolgreich die Baumeisterprüfung. Sie ist seit 2013 Projektentwicklerin in der Kerbler Gruppe. Im selben Jahr gründet sie mit Günter Kerbler die cetus Baudevelopment GmbH, die sich auf nachhaltige Entwicklung von Bauprojekten spezialisiert hat. Als Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaften der Aspern Seestadt Baufelder, konzipiert sie federführend das weltweit erste 24-geschossige, vor der Realisierung stehende Hochhaus in Holzbauweise.

Caroline Palfy