Die Verbindung von Mensch und Maschine
Die Verbindung von Mensch und Maschine

Roland Hechenberge ist der Überzeugung, dass die Digitalisierung das Wirtschaftsleben erleichtern kann.

MIKRO-CHIP-IMPLANTATE ALS CHANCE DER DIGITALISIERUNG

Mensch und Maschine gehen eine immer engere Verbindung ein. Während das Smartphone bereits eine nicht mehr wegzudenkende Alltagshilfe darstellt, erleichtern uns immer mehr Gadgets, von digitalen Assistenten bis Smart Speaker, das Bewältigen von zeitaufwendigen Routinen. Auch Banking befindet sich im digitalen Wandel. Während manche Services niemals ohne den persönlichen Kontakt auskommen werden, erleichtern andere wiederum das Handling von Bankgeschäften. Die Mischung macht’s! Das findet auch Raiffeisenlandesbank OÖ Mitarbeiter Roland Hechenberger. Der Firmenkunden-Betreuer ist der Überzeugung, dass die Digitalisierung das Wirtschaftsleben erleichtern kann. Dafür ist er auch offen, Innovationen an sich selbst auszuprobieren. Wie zum Beispiel ein persönliches digitales Upgrade. In der Welt von Dr. Patrick Kramer, dem weltweit einflussreichsten Vordenker im Bereich digitale und biologische Transformation, heißt das: Mikro-Chip-Implantate, die die Fähigkeiten des Menschen erweitern.

DIE VISION WIRD REALITÄT

Reiskorn-groß zeichnen sich die kleinen Antennen unter der Haut ab und das 2019 europaweit bei bereits über 50.000 Menschen. Die anfängliche Utopie ist also schon längst zum Mainstream mutiert, zumal vor allem Dr. Kramers Endkunden Familien sind, die sich dadurch den schlüssellosen Zutritt ins eigene Haus erleichtern möchten, oder ihre persönlichen Daten am eigenen Körper abgespeichert wissen möchten. Technologie kann also praktisch sein, vor allem, wenn sie, wie bei den kleinen Implantaten, nicht mehr aufgeladen werden muss.

Mikro-Chip

DER CYBORG UNTER UNS

Soll man jetzt Angst haben? Sind unsere Daten in Gefahr? Sind einer 24/7-Überwachung und Hacking der eigenen Person somit der Weg geebnet?

Roland Hechenberger sieht das anders. Und er muss es ja wissen, schließlich hat er sich selbst 2018 von Dr. Kramer persönlich „chippen“ lassen, um seine eigenen Grenzen auszutesten. Das Feature zwischen Daumen und Zeigefinger nutzt er noch heute – und die Anwendungen werden auch künftig zunehmen. Sei es, um ins eigene Haus zu gelangen, den Computer zu entsperren, oder seine digitale Visitenkarte mit Kunden auszutauschen. Einen enormen digitalen Fortschritt sieht er darin noch nicht. „Wenn man bedenkt, dass wir uns aus medizinischen Gründen bereits seit Jahrzehnten lebende Viren injizieren, die in unserem Körper eine bestimmte Aufgabe erledigen, oder körpereigene Bauteile durch künstliche ersetzen – zum Beispiel die Linse im Auge oder Gelenke -  oder aber auch den eigenen Herzschlag mit einem technischen Gerät in Ordnung bringen, scheint mir das Implantieren des Mini-Computers doch ein recht kleiner Schritt. Zumal ich mir diesen jederzeit wieder entfernen lassen kann“, meint der Banker.

Roland Hechenberger

TECHNOLOGISCHE FORTSCHRITTE ALS VORTEIL SEHEN

Angst macht ihm diese Entwicklung keine. Viel mehr sieht er die vielen Sorgen rund um das Thema Digitalisierung als europäisches Phänomen „Man fürchtet sich hierzulande lieber zuerst, als sich Gedanken über Nutzen und Vorteile von technischen Entwicklungen zu machen. Im Ingenieurwesen sind die Europäer Vorreiter, doch keiner fragt Europa um Rat, wenn es um Digitalisierung und Daten geht, da haben eindeutig andere Länder die Nase vorne.“
Das Upgrade Mensch stellt uns vielmehr wieder vor gesellschaftliche, ethische und moralische Fragen. „Der Mensch hat seit jeher mit neuen Technologien danach gestrebt, andere Menschen zu beherrschen - viele Neuerungen gehen auf die Entwicklung für militärische Zwecke zurück. Während das Schießpulver in China Jahrhunderte für die Belustigung der Menschen genutzt wurde, wurde es in Europa dazu eingesetzt, effektivere Waffen herzustellen. Solange wir also stets bestrebt sind, mit neuen Technologien andere zu beherrschen, führt dies zu gesellschaftlichen Problemen. So positiv die Digitalisierung eingesetzt werden kann, so kann man am Beispiel Sozialkredit in China aber auch sehen, dass dieselben Instrumente als Machtinstrumente der herrschenden Klasse verwendet werden können. Daher sind neue Technologien stets gleichermaßen Chance und Bedrohung. Wenn wir von Chip-Implantaten im Gehirn sprechen, die nicht dazu eingesetzt werden, um sich anderen Menschen überlegen zu machen, sondern zum Beispiel beeinträchtigten Menschen Fähigkeiten wieder zu geben, sind diese Technologien doch zum Wohle des Menschen eingesetzt und etwas Großartiges, oder etwa nicht?“

DIE ZUKUNFT DER UNTERNEHMEN

In seiner täglichen Arbeit mit KMU und Großunternehmen wird er auch immer mehr mit der essentiellen Rolle der Digitalisierung in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit konfrontiert. „Durch die Digitalisierung stehen Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Der Wettbewerb wird international und es halten Geschäftsmodelle aus anderen Ländern Einzug, die uns vorher nicht erreicht hätten. In Europa redet zwar jeder über Digitalisierung, aber es haben nur wenige den Nutzen davon erfasst und dass es dabei nicht um den digitalen Abruf von analogen Daten geht“. Bestes Beispiel: Autokonzerne. Auf sich selbst konzentriert, wurden sie von Google, Tesla und Apple eingeholt, die das Auto als Gadget für ihre digitalen Technologien sehen und neue Geschäftsmodelle entwickelt haben oder – wie Tesla – als völlige Außenseiter die Branche vor sich hertreiben. Selbiger Herausforderung müssen sich auch Banken stellen. „Mitbewerber werden vielfältiger, große Technologie-Konzerne lösen Banklizenzen und beginnen einfache Prozesse in Mikroschritte zu zerlegen und jeden einzelnen davon digital zu verbessern, anstatt analoge Prozesse für Computer und Handy zu programmieren. Darin liegt der große Unterschied. Anstatt darauf zu antworten, das können wir auch, sollten wir es auch einfach einmal machen!“

Wir (zukünftigen) Cyborgs müssen uns, zumindest laut Dr. Kramer, sicherheitstechnisch keine Sorgen machen: Implantate haben keinen Akku, große Mengen an Daten zu schicken ist somit unmöglich. Zudem ist die Antenne so minimal, dass Sie nicht einmal beim Sicherheitscheck am Flughafen piepsen würde. Außerdem: Was gibt es sichereres, als seine persönlichen Daten lokal immer bei sich zu tragen?

Patrick Kramer

INTERVIEW DR. PATRICK KRAMER

Wie die Digitalisierung den Menschen verändert, zeigt die immer engere Verbindung von Mensch und Maschine. Im Interview mit einem der weltweit einflussreichsten Vordenker im Bereich digitale und biologische Transformation, Dr. Patrick Kramer, erfahren wir, dass die nächste Stufe der Digitalisierung unter die Haut geht.