Agilox
Auf dem Weg zur Weltspitze

„Das große Ziel ist, dass wir weltweit vertreten sind. Mit unserer Technologie können wir den Anspruch stellen, ein Weltmarktführer zu werden.“ (Dirk Erlacher, Geschäftsführer Agilox)

Agilox

Agilox stellt Logistikroboter her, die ohne zentralen Leitrechner funktionieren, ihre Routen durch künstliche Intelligenz planen und untereinander kommunizieren. Im Sommer hat das oberösterreichische Unternehmen eine wichtige Investitionsspritze von Raiffeisen OÖ erhalten, was den internationalen Kunden hohe Finanzkraft signalisiert.

Jung, technikaffin, schnell wachsend – und trotzdem kein Start-up:  Dafür ist das Hightech-Logistikunternehmen aus Vorchdorf zu erfolgreich etabliert. Standorte und Partner gibt es in elf Ländern auf drei Kontinenten, der Umsatz lag mit acht Millionen Euro im Jahr 2018 doppelt so hoch wie 2017. 2019 kommt der nächste Schub: Im August 2019 ist die OÖ Beteiligungsgesellschaft eingestiegen, in der sowohl die Raiffeisenlandesbank OÖ als auch die oberösterreichischen Raiffeisenbanken zentrale Gesellschafter sind. Die Auswirkungen: Bis Dezember 2019 soll die Mitarbeiterzahl bei Agilox auf knapp 50 steigen, zehn davon wurden unmittelbar nach dem Investment ins Team aufgenommen.
 

DIE OPTIMALE ROUTE FINDEN

Gestartet als Logistikberater, ist Agilox heute eine Hightech-Schmiede. Produziert werden sogenannte Intelligent Guided Vehicles (IGV) für die Intralogistik – Logistikroboter, die durch künstliche Intelligenz ohne zentralen Leitrechner in der Lage sind, selbstständig Transporte in Lager- und Produktionshallen durchzuführen. Mitbegründer Dirk Erlacher, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, vergleicht das System mit Google Maps, wo die Software die optimale Route errechnet und ans Ziel führt. Tauchen Hindernisse auf, plant das System eine neue Route. Die Agilox-Roboter kommunizieren miteinander und teilen sich in Echtzeit mit, wo man gerade nicht durchkommt. Durch diese Schwarmintelligenz hebt sich Agilox vom Mitbewerb ab. Und es gibt noch eine Differenzierung, wie Erlacher erklärt: „Unser IGV ist das einzige Plug-and-Play-­Fahrzeug und in wenigen Stunden implementiert.“ Das funktioniert laut Erlacher „ähnlich unkompliziert wie bei einem Rasenmähroboter“.

Geliefert werden die IGVs an große Konzerne wie Siemens, DHL, BMW, Lufthansa Technik, LSG Sky Chefs und China Tobacco. Da spiele auch die Finanzkraft eine Rolle, sagt Geschäftsführer Erlacher, weshalb die Investitionsrunde 2019 notwendig geworden sei. Schon 2017 gab es eine große Finanzierung, damals von der Raiffeisen KMU Beteiligungs AG, einem Unternehmen der Raiffeisenlandesbank OÖ, um das Produkt fertig entwickeln zu können. Die jetzige Finanzierung lässt den Unternehmenswert laut Medien auf fast 100 Millionen Euro steigen.

Vor der Wachstumshilfe gehörte Agilox sechs Gesellschaftern – darunter die beiden Geschäftsführer. Jeder besitzt genau gleich viele Unternehmensanteile. Zusammen halten sie rund 60 Prozent der Anteile, der Rest ging an die Investoren. Erlacher: „Die Mehrheit war uns wichtig, damit wir den Kurs bestimmen können.“ Grundsatzentscheidungen darüber werden im Kreis der Eigentümer getroffen, davor wird so lange diskutiert, bis sich alle einig sind.
 

ZIEL WELTMARKTFÜHRER

Im Jänner 2019 hat das Unternehmen in Atlanta den ersten Standort in den USA eröffnet. Außerdem entsteht ein Neubau für die Produktion in der Nähe von Lambach, der wohl ca. 4.500 Quadratmeter groß und leicht erweiterbar sein wird. Auch der risikoreiche, aber wichtige chinesische Markt wird sondiert, bei Shanghai könnte ein neuer Standort entstehen.

Parallel dazu wird an der Produktpalette gearbeitet. Ein Fahrzeug für deutlich höhere Lasten und Hubhöhen bei ähnlicher Agilität wird die Automatisierung von noch mehr Logistikprozessen ermöglichen. Auch an einem Transportroboter für Überseecontainer für den Hafentransport wird eifrig gearbeitet, um irgendwann die große Vision zu realisieren. Erlacher: „Das große Ziel ist, dass wir weltweit vertreten sind. Mit unserer Technologie können wir den Anspruch stellen, ein Weltmarktführer zu werden.“ Dafür wolle man die gesamte Logistikkette abdecken und alles inhouse abwickeln können. Und: Schon bald sollen die Kunden ihren Agilox nicht nur in einem Onlineshop bestellen können, sondern die schlaue Apparatur auch gleich ohne jede Unterstützung eines Lieferanten selbst in Betrieb nehmen können.