Halbjahresergebnis 2020

Halbjahresergebnis 2020 der Raiffeisenlandesbank OÖ steht im Zeichen der Bewältigung der Corona-Krise +++ Zusätzliches Finanzierungsmodell: Raiffeisen-eigene Corona-Überbrückungshilfen mit Eigenkapital

Das Halbjahresergebnis 2020 der Raiffeisenlandesbank OÖ (RLB OÖ) ist ein Spiegelbild der allgemeinen Corona-bedingten wirtschaftlichen Entwicklungen und steht im Zeichen der Bewältigung der Corona-Krise. Am wichtigsten sei es, in dieser auch für Banken herausfordernden Zeit, für Stabilität bei den Kunden zu sorgen, sagt Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ: „In erster Linie gilt es, die Liquidität der Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze zu sichern. Dort, wo es notwendig ist, werden auch Zinsen und Kreditrückzahlungen nach hinten geschoben. Ziel ist, möglichst schnell und unbürokratisch zu helfen und die besten Lösungen in Zusammenhang mit den staatlichen Förderungen zu garantieren.“ Zuwächse gab es für die RLB OÖ in den ersten sechs Monaten 2020 im operativen Geschäft: Etwa bei der Vergabe von Krediten und im Wertpapiergeschäft. Negativ – und natürlich auf die Corona-Krise zurückzuführen – machen sich Bewertungen bei Beteiligungen und Finanzinstrumenten sowie Risikovorsorgen bemerkbar.

Starkes Kreditwachstum

Starke Zuwächse konnte die RLB OÖ beim Kreditgeschäft verzeichnen. So ist das Finanzierungsvolumen im ersten Halbjahr 2020 um 1,1 Milliarden Euro auf 24,6 Milliarden Euro gestiegen (Betriebsmittelfinanzierung +8,9 Prozent; Investitionsfinanzierungen +3,6 Prozent gegenüber Ende 2019). „Diese Zahlen sind einerseits auf unser großes Engagement bei den staatlichen Überbrückungsfinanzierungen zurückzuführen, wo wir klar die Nummer 1 in Oberösterreich sind. Hier konnten wir die intensive Partnerschaft mit unseren Kunden auf Basis einer kompetenten und engen Begleitung noch weiter ausbauen und ihnen entsprechend Kapital zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte des Kreditwachstums in den ersten sechs Monaten 2020 hängt allerdings mit sozusagen normalen Investitionen unserer Kunden zusammen, die nichts mit den staatlichen Überbrückungsfinanzierungen zu tun haben“, kommentiert RLB OÖ-Generaldirektor Heinrich Schaller.

Kundeneinlagen auf hohem Niveau, Steigerung beim Provisionsüberschuss

Die Einlagen (Spar- und Giroeinlagen) der Kunden sind mit 12,6 Milliarden Euro weiterhin auf stabil hohem Niveau. Eine deutliche Steigerung konnte im ersten Halbjahr beim Provisionsüberschuss erzielt werden: 86,8 Millionen Euro bedeuten eine Steigerung um 8,9 Prozent bzw. 7,1 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dieser Anstieg ist auf Erträge aus dem Wertpapiergeschäft (gerade in der Lockdown-Phase war das Interesse der Kunden an Wertpapieren sehr groß), Kreditprovisionen und aus dem Versicherungsgeschäft zurückzuführen.

Konzernbilanzsumme neuerlich ausgebaut

Die Konzernbilanzsumme der Raiffeisenlandesbank OÖ liegt per 30. Juni 2020 mit einem Plus von 8,0 Prozent gegenüber Jahresende 2019 bei 47,9 Milliarden Euro und konnte somit weiter ausgebaut werden. 

 

Weiterhin stabile Kernkapitalausstattung

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind aktuell noch nicht abschätzbar, umso wichtiger ist für die RLB OÖ eine stabile und starke Kernkapitalausstattung. Sie stellt eine wertvolle Basis und ein zentrales Fundament dar, um die Kunden auch in Zukunft bei ihren Projekten und Vorhaben als stabiler Bankenpartner begleiten zu können und Investitionen zu ermöglichen. Die harte Kernkapitalquote (CET 1 Ratio) befindet sich Mitte des Jahres 2020 im Konzern (Kreditinstitutsgruppe) mit 13,34 Prozent angesichts der COVID 19-bedingten Bewertungen und des gestiegenen Finanzierungsvolumens weiterhin auf einem guten Niveau (= Rückgang von rund 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zu 2019). „Wir sind mit unserer Kernkapitalquote weiterhin deutlich über der gesetzlichen Mindestquote. Jetzt zeigt sich, dass sich unsere Strategie der vergangenen Jahre, in denen wir die Kernkapitalquote laufend erhöhen konnten, auszahlt und wir damit auch für unvorhersehbare Situationen wie die Corona-Krise genügend Spielraum haben“, so Schaller. 

Risikovorsorgen gestiegen, aber weiterhin auf niedrigem Niveau

Die Risikovorsorgen werden im ersten Halbjahr 2020 mit -72,5 Millionen Euro ausgewiesen. Die Veränderung zum Vorjahr (= erstes Halbjahr 2019: mit +7,9 Millionen Euro eine Nettoauflösung) ergibt sich einerseits aus Portfoliovorsorgen, die aufgrund von statistischen Berechnungen in Hinblick auf zu erwartende Verluste zu bilden sind und für rund die Hälfte der Zuführungen verantwortlich sind. Andererseits schlagen sich hier aber auch die Rückstellungen in Höhe von rund 30 Millionen Euro für einen Kredit an den internationalen Zahlungsverkehrsanbieter Wirecard nieder, die in Verbindung mit einer vermuteten Bilanzmanipulation gebildet werden mussten. Abgesehen davon befinden sich die Risikovorsorgen seit Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau. „Das bedeutet, dass die jetzt gestiegenen Risikovorsorgen – nicht zuletzt auch in Anbetracht der Größe der Bank – kein Problem darstellen“, so Schaller. Die NPL-Quote (= Quote notleidender Kredite; non-performing loans) liegt mit 2,43 Prozent weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Schaller: „Wir gehen hier von einer gewissen Steigerung bis Ende des Jahres und auch noch im Jahr 2021 aus. Wie hoch, ist aktuell noch nicht abzuschätzen.“

Betriebsergebnis als Corona-bedingte Momentaufnahme negativ, ohne Ergebnis aus at equity bilanzierten Unternehmen aber klar im Plus

Während das operative Geschäft positiv verlaufen ist, sind es Corona-bedingte Marktturbulenzen, Risikovorsorgen sowie die Abwertungen im Bereich der at equity bilanzierten Beteiligungen, insbesondere in Zusammenhang mit der Raiffeisenbank International und der voestalpine, die in Summe zu einem negativen Ergebnis im Konzern der RLB OÖ geführt haben. Der Periodenüberschuss vor Steuern beläuft sich auf -216,0 Millionen Euro, das Betriebsergebnis liegt bei -83,1 Millionen Euro. Wobei hier festzuhalten ist: Das Betriebsergebnis würde ohne das Ergebnis aus at equity bilanzierten Unternehmen, das sich in Summe auf -164,4 Millionen Euro beläuft, klar im Plus liegen. Schaller: „Unser Halbjahresergebnis 2020 ist ein Spiegelbild der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklungen im Kontext der Corona-Krise und als Momentaufnahme zu werten. Da wir davon ausgehen, dass die operative Geschäftsentwicklung der RLB OÖ weiterhin positiv verläuft und sich auch unsere großen Beteiligungsunternehmen Raiffeisenbank International und voestalpine bei einem wirtschaftlichen Aufschwung wieder rasch erholen werden, sind die Einmaleffekte, die sich jetzt negativ auf das Halbjahresergebnis auswirken, verkraftbar.“

 

Klare Nummer 1 bei der Abwicklung von Corona-Hilfen: 13.330 Kreditstundungen, mehr als 1,2 Milliarden Euro Überbrückungsfinanzierungen

Die gesamte Raiffeisenbankengruppe OÖ setzt in der Krise alles daran, ihre Kunden zu unterstützen, wirtschaftliche Engpässe zu verhindern, Stabilität zu geben und Liquidität zu garantieren. Dies zeigt sich nicht zuletzt bei der Abwicklung der staatlichen Hilfen. „Wir haben in der Raiffeisenbankengruppe OÖ im Kontext von COVID-19 bisher mehr als 13.330 Kreditstundungen abgewickelt, 60 Prozent davon betreffen Privatkunden. Das Stundungsvolumen beträgt rund 104,4 Millionen Euro. Außerdem haben wir mehr als 2.400 Anträge für Überbrückungshilfen der staatlichen Förderstellen wie AWS, ÖHT oder OeKB in Bearbeitung bzw. bereits abgewickelt, was einem Volumen von mehr als 1,2 Milliarden Euro entspricht. Damit sind wir in Oberösterreich die klare Nummer 1“, so Heinrich Schaller. Mit der von der Regierung aufgelegten Investitionsprämie werden die richtigen Impulse gesetzt, meint Schaller. „Die wirklich sehr große Nachfrage der Unternehmen an der Investitionsprämie zeigt, dass man hier genau in die richtige Richtung geht. Die Investitionsprämie ist eine wichtige Krisenhilfe, gleichzeitig wird der Wirtschaftsstandort nachhaltig gefördert.“

 

Zusätzliches Finanzierungsmodell: Raiffeisen-eigene Corona-Überbrückungshilfen mit Eigenkapital

Für den Fall, dass die staatlichen Hilfen auslaufen bzw. nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, bietet die Raiffeisenbankengruppe OÖ jetzt eine Raiffeisen-eigene Überbrückungshilfe für Firmenkunden mittels Eigenkapitalfinanzierung. Dieses Finanzierungsmodell kann konkret in Form von Minderheitsbeteiligungen oder aber auch eigenkapitalähnlichen Mitteln (stille Beteiligung, Mezzaninkapital) zur Verfügung gestellt werden. Dafür wurde jetzt – angesichts der Corona-Krise – ein neuer Finanzierungstopf aufgelegt. Die Beteiligungsgesellschaften sind dabei aber nicht nur Kapitalgeber, sondern unterstützen Unternehmen auch mit Expertise in vielen Bereichen, etwa im Controlling, Liquiditätsmanagement oder bei Restrukturierungen. „Finanzierung über Eigenkapitalinstrumente kann gerade in der aktuellen Phase für Firmenkunden bei wichtigen Zukunftsinvestitionen Unterstützung leisten und ist – sofern es zur konkreten Unternehmenssituation passt – oftmals interessanter als die Finanzierung mit Fremdkapital, weil es nicht den klassischen Rückzahlungsdruck erzeugt“, ist Heinrich Schaller überzeugt.