Industrie und Handel 4.0
Industrie und Handel 4.0

Von Nullen und Einsern

STIWA Group, Günzburger Steigtechnik GmbH & Spar-Gruppe

Das Jausensackerl wird via App zusammengestellt und die Fabriksmaschine schlägt selbst vor, wie sie effizienter arbeiten könnte. Die Digitalisierung wird Industrie und Handel tiefgreifend verändern. Schon jetzt zeigen innovative Vorreiter, wohin die Reise geht.

STIWA Group

VON NULLEN UND EINSERN

Die „denkende Fabrik“ ist die Zukunft: Die Produktion analysiert sich dabei selbst – sämtliche Produktionsschritte, den Output oder die dafür verbrauchte Zeit – und schlägt von sich aus vor, was alles davon optimiert werden kann. Laut Experten wird es in etwa bis 2025 dauern, bis diese sogenannten „Vorschlagssysteme“ breit eingesetzt werden können. Doch schon heute sind Industrie und Handel ohne Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung undenkbar. Was unter dem Begriff "Industrie 4.0" respektive "Handel 4.0" firmiert, zielt auf höhere Produktivität und Flexibilität, mehr Innovation und geringeren Ressourcenverbrauch. Wie diese vierte industrielle Revolution in der Praxis aussieht, zeigt etwa die Stiwa Group vor, ein führendes Unternehmen im Bereich Produkt- und Hochleistungsautomation.


SOFTWAREENTWICKLUNG IM FOKUS

Bereits im Jahr 1992 haben die Oberösterreicher, die heute in Attnang-Puchheim komplexe Anlagen für Autohersteller oder die Leichtindustrie herstellen, einen Standort im Softwarepark in Hagenberg gegründet und auf Softwareentwicklung gesetzt. „Schon damals haben wir erkannt, dass die Daten, die in unseren Maschinen entstehen, von essenzieller Bedeutung sind. Unser Ziel war, alle Bewegungen datentechnisch erfassen und analysieren zu können“, erklärt Robert Schoßleitner, Leiter des Geschäftsbereichs Manufacturing Software. „Mit unserer Lösung lassen sich Probleme in der Produktion schnell eingrenzen, identifizieren und beheben. Das kann beispielsweise bei Rückrufaktionen in der Automotive-Industrie von großer Bedeutung sein“, so Schoßleitner.

Zumal vor knapp zwei Jahren ein völlig neues Analysewerkzeug in Hagenberg entwickelt wurde und seither bei Stiwa zum Einsatz kommt. „Früher hatten wir starre, standardisierte Berichte mit den Daten von genau einer Anlage. Einige pdf-Seiten, die an sämtliche Personen im Unternehmen gingen“, erinnert sich Produktmanager Maik Hering. Diese Zeit ist mit dem AMS Analysis-CI getauften Softwaretool endgültig vorbei. „Industrie 4.0 bedeutet, die richtige Information an der richtigen Stelle im Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar zu machen“, erklärt Hering die heutigen Anforderungen. Und das funktioniert mittels „Selfservice“. Egal ob Geschäftsführer, Produktionsplaner oder Experte für die Qualitätssicherung – jeder kann sich jene Daten, die für ihn relevant sind, mit wenigen Klicks selbst zusammenstellen. Und das nicht nur für sämtliche Anlagen im Werk – sondern auch für die dort produzierten Teile, die einzeln bewertbar sind.

„In zwei Jahren wird es so weit sein, dass die Maschine aus ihrem Datenbestand automatisiert lernt“, ist STIWA-Mitarbeiter Maik Hering überzeugt. Das heißt dann etwa: Schon bevor ein Defekt an einer Anlage auftritt, wird eine vorausschauende Wartung durchgeführt. Und gleichzeitig analysiert, ob das zu produzierende Teil nicht in einer anderen Niederlassung schneller und ressourcenschonender hergestellt werden könnte.

STIWA Group

Günzburger Steigtechnik GmbH

INNOVATIONSKETTE

Der digital befeuerte Modernisierungsschub hat längst auch das produzierende Gewerbe erfasst. Die Günzburger Steigtechnik GmbH ist ein gutes Beispiel, wie schlaue Unternehmer schon jetzt die Weichen für die Technologien von morgen stellen. Der bayrische Spezialist für Leitern, Roll- und Klappgerüste sowie Rettungstechnik, Podeste und Sonderkonstruktionen stach schon bisher durch seinen Erfindungsreichtum hervor. Mehrfach wurde das Unternehmen mit Niederlassung nahe Vöcklabruck in seiner 120-jährigen Firmengeschichte für seinen Innovationsgeist ausgezeichnet. 2018 wurde es bereits zum vierten Mal in die Top-100-Innovatoren im deutschen Mittelstand gereiht. Mit Jahresbeginn hat das Unternehmen ein ganz besonderes Projekt ins Leben gerufen: die Innovationswerkstatt, die Kompetenzen interner und externer Experten bündelt, neue Produkte ebenso entwickelt wie strategische Projekte zur nachhaltigen Zukunftssicherung. Als erster inhabergeführter Mittelständler hat sich Günzburger Steigtechnik auch am Technologiezentrum Augsburg beteiligt, wo sich Hightech-Industriekonzerne und Forschungsinstitute begegnen. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Technologien, damit unsere Steigtechnikprodukte noch leichter, noch ergonomischer und immer noch besser werden. Daher müssen wir offen sein für neue Werkstoffe, neue Antriebs- und neue Verbindungstechniken. Dieses Streben nach innovativen Ideen für die Zukunft vereint alle Mieter im TZA. Und genau das macht dieses Netzwerk so spannend“, erklärt Ferdinand Munk, Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik.

Spar-Gruppe

DIGITAL LEADERSHIP STORE

Für neue Ideen ist auch der Handel offen, individueller „Selfservice“ steht besonders hoch im Kurs. Bereits 2016 hat Spar Selbstbedienungskassen – die sogenannten Self-Checkouts – eingeführt. Mittlerweile nutzen zwischen 25 und 45 Prozent der Kunden die Möglichkeit – an 40 Standorten in ganz Österreich. Ein erster Schritt zum Supermarkt der Zukunft. Wie dieser aussehen könnte, zeigt der Digital Leadership Store am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien.

Entstanden sind diese Einkaufslösungen der Zukunft im Rahmen einer Forschungskooperation mit dem Institut für Handel und Marketing der WU Wien und dem Digital Innovation Forum von Spar. „Spar hat dieses Forum eingerichtet, in dem Mitarbeitende aus Vertrieb, Marketing, IT und unterschiedlichsten anderen Bereichen außerhalb üblicher Organisationsstrukturen neue Technologien zusammentragen, ihre Einsatztauglichkeit bei Spar bewerten und bis zum Prototyp entwickeln. Mit diesem internen Thinktank können wir frühzeitig Trends erkennen und mittragen“, erklärt Hans K. Reisch, Vorstandsdirektor für Finanzen und Filialen.


APP STELLT WECKERL ZUSAMMEN

Der Spar-Markt am Campus WU hat sich aufgrund des studentischen Publikums vor allem auf Snacks und Convenience-Artikel spezialisiert. Das Problem dabei: Bei Vorlesungsschluss oder -pausen waren Warteschlangen an der Frischetheke und im Kassenbereich unvermeidlich. Bis eine digitale Lösung Abhilfe schuf. „Snack away“ heißt die App, mit der User ihr Weckerl nach eigenen Wünschen am Smartphone konfigurieren, bestellen und kurz darauf in der Filiale abholen. Zur Auswahl stehen dabei nicht weniger als 3.000 Variationen. Zusätzlich können Säfte, Obst und andere Snackartikel geordert werden. „Das fertige Jausensackerl steht im Kühlbereich neben den Kassen zur Abholung bereit, wer an den Self-Checkouts bargeldlos bezahlt, sitzt binnen weniger Minuten wieder im Hörsaal“, so Alois Huber, Spar-Geschäftsführer für Ostösterreich. Wie viel zu bezahlen ist, zeigen elektronische Preisetiketten. Diese Form der Preisauszeichnung nennt sich ESL.inclusive und ist eine Schienenlösung, durch die bis zu sieben Etiketten von einer Batterie mit Strom versorgt und Aktionen und Rabatte für Kunden deutlicher sichtbar gemacht werden.

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