Interview mit Heinrich Schaller

Die Raiffeisenlandesbank OÖ finanziert nicht nur oberösterreichische Unternehmen, sie beteiligt sich auch. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Strategie?

Heinrich Schaller: Beteiligungsfinanzierungen in Form von Eigenkapital schaffen für Unternehmen einen deutlich größeren Freiraum für Expansionen und Weiterentwicklung, weil es keinen Rückzahlungsdruck wie etwa bei einer Kreditfinanzierung gibt. Durch die bessere Bonität wächst auch der strategische und operative Handlungsspielraum. Außerdem sind Unternehmen mit höheren Eigenkapitalreserven und stabiler Eigentümerstruktur krisenresistenter als andere. Die Raiffeisen Invest Private Equity Gruppe ist die größte Private Equity-Gesellschaft Österreichs.

In vielen kleinen und mittleren Unternehmen ist die die Eigenkapitalquote niedrig und in der Pandemie weiter gesunken. Was muss hier geschehen?

Heinrich Schaller: Ja, die Situation bei einem KMU in Bezug auf die Eigenkapitalquote ist sicherlich eine andere als bei einem großen Konzern. Helfen könnte hier eine andere Steuergesetzgebung, wo Eigenkapital für Betriebe entsprechend vorteilhafter behandelt wird.

 

Es war immer wieder von einer Pleitewelle die Rede, sobald die staatlichen Corona-Hilfen auslaufen. Sehen Sie die auf uns zukommen?

Heinrich Schaller: Wenn ich die Firmenkunden der Raiffeisenlandesbank OÖ als Indikator hernehme, sehe ich eine derartige Pleitewelle nicht kommen. In vielen Unternehmen ist der Betrieb ja bereits wieder voll angelaufen. Aber natürlich gibt es noch Branchen, die mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben. Hier wäre es sicherlich ein Fehler, alle Hilfsmaßnahmen von einem Tag auf den anderen herunterzufahren.

 

Welchen Stellenwert hat das Unternehmertum in unserem Bundesland und wie kann man diesen stärken?

Heinrich Schaller: Oberösterreich hat viele Innovationen nicht nur den großen Leitbetrieben zu verdanken, sondern vor allem auch den vielen KMUs. Ich denke hier vor allem auch an die Zulieferbetriebe. Um Unternehmertum und Innovationsgeist weiter zu fördern, braucht es einen Abbau von Bürokratie und vielleicht auch einen stärkeren gesellschaftlichen „Spirit“, wo Mut zum Unternehmertum gefördert wird und Scheitern nicht als persönliche Schwäche ausgelegt wird.