Nordfels
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Vom Mühlviertel in die ganze Welt

Nordfels

Neben Riesen wie voestalpine oder Lenzing drängen auch immer mehr KMUs wie das auf Batterietechnologie und Maschinenbau spezialisierte Unternehmen Nordfels in den Export. Das stellt heimische Steuerberater vor neue Herausforderungen.

Text: Luisa Graber

Die Geschichte von Nordfels beginnt in einem Stadl im Mühlviertel. Vor 22 Jahren gründet Johann Hammerschmid sein nach ihm benanntes Maschinenbau-Unternehmen. 2015 übernehmen seine langjährigen Mitarbeiter und heutigen CEOs Edmund Jenner und Martin Reingruber gemeinsam mit CFO Johannes Kaar das Unternehmen, firmieren in Nordfels um und forcieren Professionalisierung und Wachstum. Jetzt wollen sie den heute schon 50-köpfigen Mitarbeiterstab um jährlich zehn bis 20 Kollegen aufstocken.

NEUE MÄRKTE RUFEN

Die für das geplante Wachstum notwendigen Absatzmärkte hat man im Ausland gefunden. Zumindest teilweise: Während die traditionelle Maschinenbau-Sparte mit maßgeschneiderten Automatisierungslösungen hauptsächlich österreichische Kunden begeistert, wurde die Batterietechnologie zum grenzenlosen Bestseller. Zwischen 80 und 90 Prozent der Produkte werden ins Ausland geliefert. Jetzt werden die beiden Sparten in eigene Firmen ausgelagert und über eine Holding verbunden. Das Ziel: Jeder Bereich soll sich auf seine Stärken konzentrieren.

Im Maschinenbau ist das die Individualität. Kunden kommen unter anderem aus der Automobilzuliefer-, der Pharma- und der Lebensmittelindustrie. CEO Edmund Jenner: „Unsere Maschinen sind mit Hightech vollgepackt. Wir verkaufen keine Standardprodukte, die es schon woanders gibt.“ Vielmehr setze man komplette automatisierte Prozesse für Industrieproduktionen um. CFO Johannes Kaar erklärt: „Bei Nordfels gibt es keine Einmalkäufer. Wir verstehen uns als Automatisierungspartner und pflegen langjährige stabile Beziehungen zu unseren Kunden.“ Was im Bereich der Batterietechnologie schwieriger ist. Zwar ist man mittlerweile schon seit zehn Jahren aktiv, bekommt aber laut CEO Martin Reingruber laufend Anfragen aus der ganzen Welt: „Wir haben in der Entwicklung von Batterien, basierend auf Rundzellen sowie deren Produktion mittels vollautomatisierter Anlagen, tiefgreifendes Know-how.“

Zum einen bietet Nordfels über das Schwesterunternehmen Voltlabor die Produktentwicklung solcher Batteriepacks an, zum anderen den Maschinenbau für die Produktion – also Produkt- und Produktionsentwicklung. Edmund Jenner führt als Beispiel einen chinesischen Bushersteller an, der neben Diesel- und Benzinmotoren auch Elektroaggregate verwenden wollte: „Das Unternehmen verwendete dafür ein Akkupack, das nicht gut funktioniert hat. Wir haben eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt und die Produktionsanlage dafür gleich mitgeliefert.“

Seit 2015 sind die Mühlviertler in China aktiv, auch in Indien, der Türkei und Kanada hat man schon Fuß gefasst. Brasilien, Nordafrika und der Nahe Osten sollen folgen. Wie das gelingt? „Wenn man in einem Bereich die Technologieführerschaft hat, spricht sich das herum und man wird gefunden“, lächelt Reingruber selbstbewusst. Die größte Herausforderung ist aber, das enorme Wachstum auch zu stemmen. Die drei Unternehmer sind für die expansive Batteriesparte Voltlabor deshalb auch für einen strategischen Partner offen, der die Expansionspläne mit Know-how und finanziell unterstützt.

DIENSTLEISTER IM WANDEL

Immer mehr Unternehmen mit tiefem Know-how in einer sehr spezifischen Nische finden jenseits der Grenze neue Abnehmer. Was allerdings auch die Anbieter von unternehmensnahen Dienstleistungen vor neue Herausforderungen stellt. Markus Raml, Geschäftsführer der als Steuerberater des Jahres für KMUs und Freie Berufe ausgezeichneten Kanzlei Raml&Partner, meint: „Wie in allen Bereichen der Wirtschaft spüren wir auch in der Steuerberatung die Auswirkungen der Globalisierung und Internationalisierung.“ Die Konsequenz: Er hat das Angebot an Themen des internationalen Steuerrechts massiv ausgebaut. „Einerseits werden immer mehr – auch verhältnismäßig kleinere – Unternehmen international tätig, was sich ganz massiv im IT-Bereich zeigt, und andererseits sind wir gerade als Berater von Start-up-Unternehmen daran interessiert, unsere Klienten auch nach einem starken Wachstum bis hin zur internationalen Expansion begleiten zu können.“ Tatsächlich sollte der Steuerberater ein wichtiger Ansprechpartner sein, wenn der Sprung über die Grenzen geplant wird. Raml: „Der unserer Meinung nach entscheidende Punkt ist, die Klienten zu überzeugen, dass vor einer Auslandsinvestition die steuerliche Planung nicht vernachlässigt werden darf. Gerade in der Planungsphase können diverse Spielräume durch geschickte Vertragsgestaltungen ausgenützt werden.“ Besonders „tricky“ wird es, wenn Angestellte ins Ausland geschickt werden, erzählt der Steuerprofi: „Derzeit besteht der größere Beratungsbedarf im Bereich der internationalen Tätigkeit der Arbeitnehmer. Dies umfasst aber nicht nur die klassische Entsendung der Mitarbeiter, sondern vermehrt auch die Anstellung bei Gesellschaften, die nicht im Tätigkeitsstaat ansässig sind. Im Rahmen der steuerlichen Beurteilung darf hier die Gestaltung der sozialversicherungsrechtlichen und arbeitsrechtlichen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.“

Neben dem Druck zur Internationalisierung verändert auch die Digitalisierung das Geschäftsfeld der Dienstleister. Schon gibt es Stimmen, die  Computer und KI als die besseren Buchhalter- und Lohnverrechner sehen, der Steuerberater würde zum Advisor werden. Raml, selbst Digitalisierungsvorreiter in seiner Branche, bleibt dazu aber skeptisch: „Ob in Zukunft die komplette Digitalisierung für alle Klienten zielführend und anwendbar sein wird, bleibt abzuwarten. Wir denken aber nicht, dass der Steuerberater nur mehr Consultant sein wird.“

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