Grand Garage
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Werkstatt fürs Übermorgen

Grand Garage

Die Grand Garage in der Linzer Tabakfabrik als Werkstatt für alle: Mit dem offenen Zugang zu Maschinen wie Schweißgeräten, Lasercuttern und 3D-Druckern ist sie das Dorado für alle, die an Prototypen eigener Erfindungen feilen – und dabei vielleicht den Exportschlager von morgen entwickeln.

Lagerraum für Überflüssiges oder Schatzkammer für Ideen, Raum für Experimente und Narrativ für Erfindungsgeist? Die Initiatoren der Grand Garage in der Tabakfabrik Linz hoffen auf Letzteres. Jeder kann hier 3D-Drucker, Lasercutter, CNC-Fräsmaschinen, Roboter, Maschinen zum Pulverlackieren, Löten und für die Blechbearbeitung, diverse Schweiß- und Elektromessgeräte etc. verwenden und Workshops, zum Beispiel zum 3D-Druck, besuchen.

Die Idee zur Innovationswerkstatt stammt von Absolventen und Betreibern des Talenteprogramms CAP. Dieses wurde 2010 von der Future Wings Privatstiftung und Ruth und Werner Arrich ins Leben gerufen, um AHS-Schülern eine Mechatronik-Lehre in der Freizeit zu ermöglichen.  Was CAP.-Absolventen aber fehlte, war Zugang zu Maschinen. Ruth ­Arrich: „Ausgerechnet am Mechatronikstandort Oberösterreich fehlte eine offene Werkstätte.“

Eine Beteiligung und Anschubfinanzierung durch Future Wings, den gemeinnützigen Teil der TGW Future Privatstiftung, schuf Abhilfe. Dazu kamen eine FFG-Förderung und Unternehmen, die Maschinen und Know-how zur Verfügung stellen. Im Februar konnte die Grand Garage als Industrie-4.0-Hub auf insgesamt 4.000 Quadratmetern eröffnet werden. Die Tabakfabrik sorgt für das kreative Umfeld, in der Grand Garage warten hochqualitative State-of-the-Art-Maschinen und qualifizierte Trainer. Die Erwartungen von Christian Szinicz, Leiter von Future Wings: „Hier wird Raum zur Persönlichkeitsentwicklung geschaffen, um jungen Menschen Werkzeuge für ein selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben in unserer Gemeinschaft zu vermitteln.“ Damit wolle man einen positiven Beitrag zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Linz und der Gesellschaft leisten.

Tatsächlich definiert sich die Grand Garage nicht als Makerspace, wie sie gerade rund um die Welt in großer Zahl errichtet werden. Ruth Arrich: „Darunter wird teilweise eine Bastelbude verstanden. Wir definieren uns als Innovationswerkstatt für Menschen in der Technologie.“ Es gibt unter anderem Kooperationen mit der Kunstuni Linz, mit Fachhochschulen und einzelnen Instituten der Johannes Kepler Universität. Trotzdem sind auch Anfänger willkommen. Arrich: „Wir wollen den Spagat zwischen professionellem Anspruch und niederschwelligem Zugang ­schaffen. Hochtechnologie wird begreif- und verstehbar gemacht.“ In der Industrie stieß ihr Konzept auf offene Ohren. Fronius International zählte zu den ersten Unterstützern. Andreas Barth, Vertriebsleiter Perfect Welding ­Österreich: „Auch unsere Geschichte hat 1945 in einer Garage begonnen, heute ist Fronius weltweiter Innovations- und Technologieführer. Die Leidenschaft für Technologien, intensive Forschungsarbeit und revolutionäre Lösungen hat uns dorthin gebracht. Es ist uns ein Anliegen, die Grand Garage mit unseren Schweißgeräten zu unterstützen.“ Groß sind die Erwartungen auch in der eww Gruppe, die Internet Connectivity und virtuelle Server bereitstellt. Vorstand Florian Niedersüß: „Die Grand Garage wird die Freude an der Technik weiter stärken und einen Turbo für die Innovationskraft der Region bringen. Wir freuen uns auf den Austausch mit anderen innovativen Köpfen und das Angebot zur Wissensvermittlung. Das wird auch uns helfen, noch mehr neue und spannende Dienstleistungen auf den Markt zu bringen.“ AMS – Additive Manufacturing Solutions greift der Grand Garage mit Expertise im 3D-Druck ­unter die Arme. Florian Grabs, Business-Development-Manager: „Enthusiasten von Unternehmen treffen hier auf technologiebegeisterte Privatpersonen. Wir wollen uns von den Ideen, die hier Wirklichkeit werden, inspirieren lassen.“

Das sollte gelingen. Tatsächlich übertrifft die Grand Garage schon jetzt alle Erwartungen. Private Erfinder kommen ebenso wie Unis und Hochschulen, für Unternehmen gibt es eigene Kooperationspakete. Jetzt wird das Kursangebot für Experten erweitert. Ruth Arrich hatte recht: Die Grand Garage hat in Linz wirklich gefehlt.