Aiwanger
Made in Germany

"Vom internationalen Geschäft hängt jeder vierte Arbeitsplatz ab."

Made in Germany

Der deutsche Exportmotor brummt und macht auch Bayern zur ökonomischen Großmacht. Manche Unternehmen stoßen dabei auch an ihre Leistungsgrenzen.

Text: Markus Mittermüller

Schon zum dritten Mal in Folge holt sich Deutschland den Titel als Export-Weltmeister. Der Überschuss im Jahr 2018 liegt nach Berechnungen des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts ifo bei 299 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Japan folgt mit 200 Milliarden Dollar auf Rang 2, die Niederlande mit rund 110 Milliarden auf Rang 3. Was zeichnet die Leistungen „Made in Germany“ aus, dass sie eine so starke Nachfrage erzeugen?

HAUPTMÄRKTE EU UND USA

Deutschlands Spitzenposition lasse sich laut ifo-Forschern vor allem auf den Warenhandel zurückführen. Haupttreiber sind dabei die Nachfrage aus anderen EU-Ländern – aufgrund der räumlichen Nähe sind Frankreich und die Niederlande die wichtigsten Abnehmer – und die Nachfrage aus den USA. Die Leistungsbilanz umfasst aber nicht nur den Import und Export von Waren. Auch Dienstleistungen sowie Einkommen aus im Ausland angelegten Vermögen fließen in die Statistik ein. Der deutsche Export wird häufig als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Auch für Bayern spielt er eine entscheidende Rolle, wie der bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Hubert Aiwanger, bestätigt: „Vom Erfolg im internationalen Geschäft hängt jeder vierte Arbeitsplatz in Bayern, jeder zweite Arbeitsplatz in der Industrie in Bayern und die Hälfte des bayerischen Bruttoinlandsproduktes ab“.

AUTOS BLEIBEN EXPORTSCHLAGER

Einer der wichtigsten Exportschlager sind – wenig überraschend – Autos. Volkswagen, Daimler oder auch BMW zählen deutschlandweit zu den größten Exporteuren. Ähnlich in Bayern: „Fast zwei Drittel der Exporte Bayerns stammen aus den Bereichen Automotive, Elektrotechnik und Maschinen- und Anlagenbau“, sagt der Staatsminister.

Sogar bis nach Australien wird bayerisches Holz exportiert. Europas größtes Sägewerk befindet sich nämlich in Ostbayern, genau genommen in Plößberg im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth, nahe der tschechischen Grenze. Seit eineinhalb Jahren ist die Ziegler Holzindustrie erst in Down Under aktiv – und erwirtschaftet dort trotzdem bereits 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes. „Insgesamt kommen wir 2018 auf 75 Prozent Exportanteil“, sagt Prokurist Michael Wachsmann. So findet sich das Ziegler-Holz in den Luxuszimmern des Sieben-Sterne-Hotels Burj al Arab in Dubai genauso wie auf dem deutschen US-Militärstützpunkt in Ramstein und in den Ferienhäusern, die wohlhabende Franzosen auf Martinique oder Reunion bauen lassen.

KAPAZITÄTSGRENZEN ERREICHT

Während sich der australische Markt für Ziegler-Holz quasi durch einen Zufall – durch einen Kontakt über einen Mitarbeiter –  geöffnet hat, steckt hinter dem Aufbau der anderen Exportmärkte jahrelange harte Arbeit. „Während der Wirtschaftskrise 2008 haben uns die Aufträge gefehlt“, so Wachsmann. In dieser Zeit ist Firmenchef Stefan Ziegler daher in den Mittleren Osten und nach Asien aufgebrochen – der Startschuss für die späteren Exporterfolge. Neben Japan und China hat das Unternehmen mit Algerien oder Marokko darüber hinaus den nordafrikanischen Markt erschlossen, seit zwei Jahren wird Holz auch nach Somalia exportiert. „Wir sind offen für neue Absätzmärkte, sind aber bereits an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt“, sagt der Prokurist.

900 PROZENT WACHSTUM

Ebenfalls den Erfolgszenit hat der internationale Logistikdienstleister Hegelmann erreicht. „Mehr gibt der Markt nicht her“, bestätigt Siegfried Hegelmann, Geschäftsführer der Hegelmann Express GmbH mit Hauptsitz im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die Zahlen sprechen für sich: In den vergangenen sieben Jahren ist das Unternehmen um erstaunliche 900 Prozent gewachsen.

Vor 20 Jahren starteten die drei Brüder Hegelmann noch mit einem LKW den eigenen Betrieb. Momentan fahren rund 2.000 Lastwagen für die Firmengruppe, inklusive jener der Subunternehmen – Tendenz steigend. Und das „von Portugal bis an die Grenzen zu China“, wie Hegelmann betont. Die mehr als 20 Filialen verteilen sich flächendeckend über ganz Europa.

RASANTES WACHSTUM

Und welche Güter werden von Hegelmann aus Deutschland exportiert? „Lebensmittel, Chemieprodukte, Fast-Moving Consumer Goods und E-Commerce-Artikel sind hier ganz vorne zu finden“, sagt der Geschäftsführer. Spezialisiert hat sich der Logistikdienstleister auf zeitkritische Transporte, auch über lange Distanzen. „Wir transportieren 24/7, also rund um die Uhr das ganze Jahr hindurch.“ Vor allem in der Zustellung über Nacht punktet die Firma. Der Erfolg gibt Hegelmann recht: Um 65 Prozent ist das Unternehmen 2017 im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, der Umsatz beträgt zum Jahresende 2018 über 400 Millionen Euro.

AUCH KMU MISCHEN MIT

Man muss jedoch nicht gleich – so wie Hegelmann – 2.500 Mitarbeiter haben, um im Export erfolgreich mitzumischen. Dazu Aiwanger: „Dass Erfolg im internationalen Geschäft keine Frage der Größe ist, belegen die von uns seit Jahren mit dem Exportpreis Bayern ausgezeichneten kleinen Unternehmen mit maximal 50 Mitarbeitern, die großartige Erfolge auf den Weltmärkten erzielen“. Damit bayerische Unternehmen auch künftig reüssieren, rät der Staatsminister auch dazu, neue Branchen zu erobern: „Große Chancen sehe ich zukünftig auch in den Zukunftstechnologien und -branchen wie beispielsweise Industrie 4.0, Digitalisierung, Umwelt- und Medizintechnik, die in der Welt stark nachgefragt werden.“