Darüber spricht der Markt

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US: Überraschend wenig neue Arbeitsplätze zum Jahresausklang

Der Stellenaufbau bleibt erneut hinter den Erwartungen zurück. Im Dezember entstanden nur 199 Tsd. neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Analysten hatten mit einem doppelt so hohen Plus gerechnet, nachdem es auch laut dem ADP-Bericht einen starken Stellenaufbau in der Privatwirtschaft vor allem im Dienstleistungssektor Ende 2021 gab. Der Corona-sensible Bereich Freizeit und Gastronomie erzielte wie im November nur einen relativ geringen Beschäftigungszuwachs. In den meisten Gewerbezweigen war der Jobaufbau leicht schwächer als im Vormonat. Immerhin wurden die beiden Vormonate um gut 140 Tsd. Stellen nach oben revidiert. Nach dem massiven Einbruch zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 ist der Arbeitsmarkt weiter nur langsam auf dem Weg der Besserung.

Es fehlen noch 3,6 Mio. Arbeitsplätze im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Im Gesamtjahr 2021 stieg die Anzahl der Beschäftigten um 3,9 Millionen nach einem Rückgang um 8,6 Mio. in 2020. Wie bereits im November zeigt sich ein scharfer Kontrast zwischen der Beschäftigungsentwicklung (Unternehmensbefragung) und der Arbeitslosenquote (Haushaltsbefragung), die deutlicher als erwartet von 4,2 % auf 3,9 % sank, nämlich unter das Niveau, das die US-Notenbank für langfristig mit Preisniveaustabilität vereinbar hält (4,0 %). Sie liegt auch nur noch geringfügig höher als vor der Pandemie (3,5 %). Es kann allerdings nicht von einem Zustand der Vollbeschäftigung gesprochen werden. Die Partizipationsquote verharrte auf dem niedrigen Vormonatsniveau von 61,9 %.

Der immer engere Arbeitsmarkt lässt die Löhne stärker steigen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne nahmen im Dezember um 4,7 % gg. Vj. bzw. 0,6 % gg. Vm. zu, was die Inflationsgefahr befeuert. Auch wenn die Konsensschätzung für den Stellenaufbau erneut enttäuscht wurde, setzt der Arbeitsmarkt seine Erholung fort. Angesichts der gesunkenen Arbeitslosenquote und der kräftigen Lohnsteigerungen dürfte sich die Fed in der beschlossenen, schnelleren Gangart bei der Rückführung der Anleihekäufe bestätigt sehen. Die FOMC-Minutes zur letzten Fed-Sitzung vom 15. Dezember zeigen, dass die Währungshüter nicht nur über eine stärkere Rückführung der Anleihekäufe sowie über eine aggressivere Erhöhung der Leitzinsen diskutierten, sondern auch über ein Abschmelzen der Bilanzsumme, also eine Verknappung der Geldmenge, kurz nach der ersten Zinserhöhung. Laut aktuellen Fed-Funds- Futures sind für 2022 mehr als drei Zinsschritte eingepreist.

Der volle Einfluss der aktuellen Omikron-Variante mit deutlich gestiegenen Infektionszahlen wird sich erst im Jänner-Bericht zeigen. Da die Auswirkungen der Pandemie bis jetzt von Welle zu Welle abnahmen, dürfte die Erholung am Arbeitsmarkt aber nur kurzfristig etwas gebremst werden. Für die Arbeitsmarktentwicklung im neuen Jahr bleibt fraglich, ob die bislang am Arbeitsmarkt nicht integrierten Personen wieder zurückfinden wollen und können.