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EZ: Frühindikatoren verbessern sich leicht, Wirtschaft aber weiter auf Rezessionskurs
Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) in der Eurozone, ein vielbeachteter Frühindikator für die kurzfristige Entwicklung der Wirtschaft, lieferten im November Licht und Schatten. Der Industrie-PMI stieg vorläufigen Daten zufolge von 43,1 auf 43,8 Punkte. Das ist ein Sechsmonatshoch, aber der Index verharrt bereits seit Monaten im rezessiven Bereich.
Die Konjunkturflaute hat mittlerweile auch den Dienstleistungssektor erreicht. Der PMI für den Dienstleistungssektor erhöhte sich zwar im Berichtszeitraum von 47,8 auf 48,2 Zähler. Der aktuelle Wert ist aber der vierte in Folge unter der 50er-Punkte-Marke. Das Beschäftigungswachstum ist hier fast zum Stillstand gekommen. Viele Dienstleistungsunternehmen hoben trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Eintrübung ihre Preise weiter an. Zudem berichteten viele Unternehmen über einen beschleunigten Anstieg auf der Kostenseite aufgrund von Lohnsteigerungen, die im Servicesektor eine große Rolle spielen.
Auch wenn sich die Stimmung sowohl bei den Industrie- als auch den Dienstleistungsbetrieben leicht verbessert hat, signalisiert die Umfrage unter 4.000 Firmen eine anhaltende Talfahrt und deutet auf ein zweites Quartal in Folge mit einem Schrumpfen der wirtschaftlichen Aktivitäten hin. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 20 Euroraum-Ländern ist im Zeitraum Juli bis September 2023 um 0,1 % gg. Vq. gesunken.
„Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigem Niveau", meinte ifo-Präsident Clemens Fuest, nachdem der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex im November erneut um 0,4 Punkte auf 87,3 Zähler angestiegen war. Es war der dritte Anstieg in Folge, und der Zeiger der ifo-Uhr hat sich vorsichtig in Richtung des Aufschwungsquadranten bewegt. Laut der Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften haben sich die Zukunftserwartungen stärker verbessert (von 84,8 auf 85,2 Punkte) als die Beurteilung der aktuellen Lage, die im November nur um 0,2 Punkte anstieg und noch keinen Aufwärtstrend ausgebildet hat. Was die Branchen anbelangt, hat sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe verbessert, während es im Dienstleistungsgewerbe leicht gesunken ist. Es dürfte aber noch verfrüht sein, von einer Trendwende zu sprechen. Nicht zuletzt sorgt der deutsche Haushaltsstreit für neue Verunsicherung. Denn mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Schuldenbremse stehen milliardenschwere Investitionen der Bundesregierung infrage. Die Konjunkturaussichten für die größte Volkswirtschaft der Eurozone sind trotz der Aufhellung des Geschäftsklimas im November insgesamt alles andere als rosig. Die EU-Kommission prognostiziert, dass Deutschland mit einem Minus von 0,3 % beim BIP dieses Jahr als einziges der großen EZ-Länder schrumpfen wird. Nächstes Jahr soll das BIP dann um 0,8 % zulegen, womit Deutschland 2024 in dieser Hinsicht gemeinsam mit Finnland das Schlusslicht des Euroraums bilden würde.
Das ifo-Geschäftsklima wie auch die PMIs befinden sich immer noch auf Niveaus, bei denen das BIP in der Vergangenheit meist etwas gesunken ist. Das Konjunkturbild ist weiterhin von Nachfragemangel geprägt, der sich nur zäh verbessert. Unsicherheiten, verschärfte Finanzierungsbedingungen und der Abbau von Lagern bei den Kunden sind hierfür verantwortlich.
Eine zeitnahe Zinswende der EZB zur Ankurbelung der Konjunktur erscheint nicht wahrscheinlich. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält den Kampf gegen die Inflation für noch nicht gewonnen. „Unsere künftigen Entscheidungen werden sicherstellen, dass die Leitzinsen so lange wie nötig auf einem ausreichend restriktiven Niveau bleiben“, so Lagarde zuletzt am 27. November.
Stand 28. November 2023