Wirtschaften mit Weitblick
Während Österreich im Vorjahr mit Rekordarbeitslosenzahlen konfrontiert war, hat die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien mehr als 500 neue Arbeitsplätze geschaffen, das geht aus dem neuen Wertschöpfungsbericht 2020 hervor. Die Zahl der direkt Beschäftigten bei Raiffeisen Niederösterreich -Wien inklusive ihrer anteilsmäßigen Beteiligungen ist im Vorjahr um 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 8.555 gestiegen. Rechnet man alle indirekten aus vorgelagerte Leistungen und durch Konsum und Investitionen induzierten dazu, ist die Gesamtzahl um 2,3 Prozent auf 21.806 Beschäftigte gestiegen.
"Das lässt natürlich darauf hoffen, dass mit dem Aufschwung die entsprechenden Ressourcen schon da sind, um entsprechend durchstarten zu können", analysiert Studienautorin Anna Kleissner vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung. Dass der Anstieg nach Prozenten bei den indirekten Beschäftigten höher ist als bei den direkten, deutet auf mehr Vorleistungen in der Region hin und eine geringe Importquote.
Ökonomischer Fußabdruck 2020
- 2,2 Milliarden Euro Gesamtwertschöpfung
- 21.806 Arbeitsplätze
- 811,8 Millionen Euro fiskalischer Beitrag
- 277,1 Millionen Euro Investitionsvolumen
Großer Hebel
"Weit überdurchschnittlich" sei deshalb auch der Beschäftigungsmultiplikator von 2,5, eine Maßzahl für den regional und volkswirtschaftlichen Hebel. Das bedeutet konkret, mit zwei Arbeitsplätzen bei Raiffeisen Niederösterreich-Wien werden fünf weitere Arbeitsplätze abgesichert oder geschaffen. Insgesamt hängt jeder 125. Arbeitsplatz in Niederösterreich und Wien unmittelbar oder mittelbar von Raiffeisen ab, so die Studie. Und "wieder etwas Spezielles", betont Kleissner: "Neun von zehn Arbeitsplätzen sind Vollzeitstellen." Selbst über die gesamte Wertschöpfungskette sind mehr als 85 Prozent in Vollzeit.
Zum dritten Mal hat die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien ihre Wirkung auf die Region analysieren lassen. Obmann Erwin Hameseder erklärt warum: "Wir beschäftigen uns seit Jahren ganz intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und da gehört es auch dazu, dass man konkret messbare Zahlen vorzeigen kann. Der Bericht ist keine Selbstzweckaktion, sondern es geht darum, unsere regionale Wertschöpfung und das Schaffen und Sichern von Arbeitsplätzen in der Bevölkerung und auch auf politischer Ebene erklärbar, nachweisbar und messbar zu machen." Mit dem Ziel: "Ein bestmögliches Umfeld für die Menschen in der Region, insbesondere in Wien und Niederösterreich, zu schaffen."
Aus dem ökonomischen Fußabdruck ließen sich Schlüsse ziehen, für die die rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Jahresabschlusses, an denen man den Erfolg eines Unternehmens unmittelbar messen kann, oft nicht ausreichen. Und der gesamthafte Blick zeigt Hameseder deutlich: "Die strategische Ausrichtung stimmt -auch in dieser schwierigen Zeit der Pandemie. Wir sehen keinen Korrekturbedarf. Ganz besonders für Niederösterreich und Wien gilt, wir zählen zu den wesentlichen Stützen der Wirtschaft. Unsere Unternehmensgruppe steht für Wirtschaft mit Weitblick und Verantwortung." Das Economica Institut hat zwölf Unternehmen aus den Bereichen Banken, Agrar, Medien und Infrastruktur unter die Lupe genommen. Diese Unternehmen stehen international für ungefähr 25,0 Milliarden Euro Umsatz, davon 7,6 Milliarden Euro in Österreich.
Zieht man Umsatzsteuer und Vorleistungen ab, so kommt man auf eine direkte Bruttowertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro, das entspricht 0,4 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in Österreich. Zählt man die indirekten und induzierten Effekte hinzu, ergibt sich eine Gesamtbruttowertschöpfung von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2019. Das entspricht 1,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in Niederösterreich und Wien oder umgerechnet hängt jeder 83. erwirtschaftete Euro von Raiffeisen Niederösterreich-Wien ab. Damit ist der Gesamteffekt stärker als jener der Pharmaindustrie und knapp unter jenem des gesamten Tiefbaus.
Erste Zahlen für das Jahr 2020 zeigen, dass die direkte Wertschöpfung für die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien mit 12,5 Prozent deutlich stärker zurückgegangen ist als der gesamtösterreichische Wirtschaftseinbruch von 6,3 Prozent. "Die Unternehmen haben also eine hohe Last tragen müssen und die Gewinne sind stark eingebrochen", analysiert die Studienautorin. "Raiffeisen Niederösterreich-Wien hat aber den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten und davon haben viele andere Unternehmen in der Region profitieren können." Rechnet man die indirekten und induzierten Effekte mit ein, dann ist die Gesamtbruttowertschöpfung nur um 6,5 Prozent geschrumpft. Die Fiskalleistung ist 2020 direkt um 6,2 Prozent auf 378,9 Millionen Euro und gesamt um 3,2 Prozent auf 811,8 Millionen Euro zurückgegangen.
Effekte durch Investitionen
Das Gesamtinvestitionsvolumen ist im Jahr 2020 zwar ebenfalls zurückgegangen von 350 auf 277 Millionen Euro, aber "der Einbruch ist im 10-Jahres-Vergleich nicht dramatisch zu bewerten", so Kleissner. Noch dazu erreichte man 2019 ein neues Investitionshoch. Investitionen sind wichtig für das Schaffen und Absichern von Arbeitsplätzen und lösen einen Zusatzeffekt in der Wertschöpfungskette aus. Allein die direkten Investitionen von 92,6 Millionen Euro 2019 lösten eine Gesamtwertschöpfung von 52,3 Millionen Euro aus, davon blieben 62 Prozent oder 32,4 Millionen Euro in Niederösterreich und Wien, und sicherten 732 Arbeitsplätze.
Diese Impulse werden weiter anhalten, denn ein ökologischer Investitionszyklus sei eingeleitet, berichtet Hameseder: "Alle Beteiligungen gehen in Richtung Klimaschutz, das ist in unserem genetischen Code. Diese Investitionen schaffen hochwertige Arbeitsplätze." Dass der ökonomische und ökologische Fußabdruck Hand in Hand gehen, betont auch die Studienautorin: "Die ökonomische Stabilität ist wichtig für die Ökologie. Gewinnmaximierung ist kein nachhaltiges Ziel, sondern die Maximierung des ökonomischen Fußabdrucks."
Für das Wirtschaftsjahr 2021 ist Hameseder vorsichtig optimistisch: "Wir liegen sehr stabil. Unsere Unternehmungen suchen Arbeitskräfte und auch bei den Umsätzen sehe ich keinen Einbruch." Die Banken hätten zudem viel vorgesorgt, auch wenn der Obmann bis dato keinen Anstieg bei Insolvenzen erkennen kann: "Pleitewelle? Da bin ich weit davon entfernt, so etwas glauben zu können."
Wertschöpfungsbericht Raiffeisen Niederösterreich-Wien 2020 (pdf)
Juni 2021, Raiffeisenzeitung, Bild Raiffeisen