EZB-Zinssitzung

Der aktuelle Kommentar zur Zinssitzung der Europäischen Zentralbank.

EZB aktuell: Dieselbe Botschaft in anderen Worten

Heute fand die erste Ratssitzung nach der Veröffentlichung der neuen geldpolitischen Strategie am 8. Juli statt. Das wohl relevanteste Ergebnis der Strategieüberarbeitung ist ja die Neudefinition des Preisstabilitätsziels. Statt mittelfristig eine Inflationsrate von „unter, aber nahe bei 2 %“ anzustreben, zielt die EZB nun auf eine Marke von glatt 2 % ab. Abweichungen nach oben sind dabei genauso unerwünscht wie Abweichungen nach unten, weshalb die Notenbank von einem symmetrischen Inflationsziel spricht.

Wie erwartet, wurde heute die sogenannte „Forward Guidance“ (mit der die EZB ihre künftigen geldpolitischen Absichten kommuniziert) für den Zinsausblick an die neue Strategie angepasst (die Entscheidung fiel aber nicht einstimmig). Darin heißt es nun sinngemäß, dass die Leitzinsen auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis die Inflation (und nicht wie zuvor die Inflationsaussichten) deutlich vor dem Ende des Prognosezeitraums die Marke von 2 % erreicht hat und sich abzeichnet, dass sie im weiteren Verlauf des Projektionszeitraums dauerhaft auf diesem Niveau bleibt. Überdies muss der EZB-Rat überzeugt sein, dass die realisierten Fortschritte der Inflation weit genug gediehen sind, um mit einer mittelfristigen Stabilisierung der Inflation bei 2 % vereinbar zu sein. Das könnte eine vorübergehende Periode von moderat über dem Ziel liegenden Inflationsraten bedeuten.

Im Juni lag die Inflationsrate der Eurozone bei 1,9 % gg. Vj., die Kernrate bei 0,9 % gg. Vj. (vgl. untenstehende Grafik). Voraussichtlich ergibt sich aufgrund der Basiseffekte ein weiterer leichter Rückgang im Juli, im zweiten Halbjahr 2021 steht aber aus mehreren Gründen (ua höhere MwST in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr) schon fest, dass die Inflationsrate die 2 %-Marke überschreiten wird (Analysten der Societe Generale beispielsweise sehen das HVPI-Hoch bei 2,5 % im September). Die EZB stuft die Phase höherer Teuerungsraten weiter als vorübergehend ein. Anfang 2022 soll die Inflation wieder unter die 2 %-Grenze zurückfallen.

Keine Änderungen gab es – ebenfalls wie erwartet – bei den Aussagen zu den sonstigen Instrumenten, den Anleihenkaufprogrammen APP und PEPP sowie den langfristigen Refinanzierungsgeschäften. Auch im laufenden dritten Quartal kauft die EZB monatlich Anleihen für rund 80 Mrd. EUR unter dem PEPP, zudem für ca. 20 Mrd. EUR unter dem APP. Das PEPP mit einem Gesamtvolumen von 1,85 Bio. EUR läuft bis mindestens Ende März 2022, wobei auch heute festgehalten wurde, dass der Rahmen nicht unbedingt ausgeschöpft werden muss, aber auch „rekalibriert“ werden kann, um günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen, die dazu beitragen sollen, negative Schocks der Pandemie abzufedern.

Fazit:

Die grundsätzliche geldpolitische Ausrichtung bleibt trotz und auch wegen der heutigen Änderungen gleich: Die EZB fährt weiter einen ultra-expansiven Kurs, und das für einen längeren Zeitraum. Der „Easing Bias“ (die Bereitschaft zu niedrigeren Zinsen) bleibt ebenso erhalten wie die Zusage, über großvolumige, flexible Anleihenkäufe für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Zwischenzeitlich auftauchende Tapering-Gerüchte werden von der EZB damit – einmal mehr – im Keim erstickt.

Jüngste Äußerungen von Lagarde hatten für Spekulationen gesorgt, die EZB könnte Änderungen an den Kaufprogrammen vornehmen. Da dies heute nicht passiert ist (Neuigkeiten dazu erwarten wir im Rahmen der September-Sitzung) sind die Marktreaktionen äußerst überschaubar. 10jährige Bunds rentieren aktuell bei -0,394 %, EUR/USD handelt bei 1,1826, Aktienindizes überwiegend im positiven Bereich.

Stand: 22.07.2021, 15:25h