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US: Teuerungsrate klettert überraschend noch weiter nach oben

Die Vorjahresrate des alle Güter umfassenden Verbraucherpreisindex sprang im Juni von 5,0 % auf 5,4 % (erwartet wurden 4,9 % gg. Vj.), jene ohne Energie und Nahrungsmittel von 3,8 % auf 4,5 % gg. Vj., den höchsten Wert seit November 1991. Der Inflationsdruck hat sich also zuletzt nochmal verschärft. Wichtiger als die Verteuerung von Benzin und anderen Energiegütern ist dabei der erneute Anstieg der Kernrate. Besonders deutlich stiegen die Preise für einige Dienstleistungen rund um Reisen und Transporte, bei denen mit dem Abklingen der Pandemie die Nachfrage kräftig angezogen hat. Dies gilt etwa für die Preise von Flugreisen (+2,7 %), Hotels (+7,9 %), Mietwagen (+5,2 %), Neuwagen (+2,0 %) und Gebrauchtwagen (+10,5 %). Bei den Autos kommen Produktionsengpässe wegen der Knappheit von Computerchips hinzu. Außerhalb dieser speziellen Kategorien hat sich der Inflationsdruck allerdings (noch) nicht verstärkt.

In Umfragen wie etwa der jüngsten von der Dallas-Fed schätzen Unternehmen, dass die Engpässe in ihrer Branche noch ein halbes Jahr anhalten dürften. Auch in den nächsten Monaten ist daher bei etlichen Gütern und Dienstleistungen mit stärkeren Preissteigerungen zu rechnen. Insgesamt wird erwartet, dass die Inflationsrate bis zum Jahresende bei 4 % bis 5 % gg. Vj. bleiben wird. Allerdings sollten im nächsten Jahr einige Preise wieder etwas korrigieren, wenn viele Engpässe beseitigt sind.

Daher sollte die Teuerungsrate dann temporär wieder unter 2 % fallen, auch wenn der unterliegende Inflationsdruck im Verlauf von 2022 eher noch anziehen dürfte.

Viele Anleger befürchteten nun, der Fed-Vorsitzende Jerome Powell würde den Prozess der geldpolitischen Normalisierung früher anstoßen. Die Gelegenheit dazu hätte er gehabt, stand er doch letzte Woche vor Kongress und Senat Rede und Antwort. Aber Powell ließ sich auch durch die abermalige Beschleunigung des Preisauftriebs nicht beeindrucken, auch wenn der Inflationsschub höher ausgefallen sei als die Fed erwartet hätte. Der Notenbank-Chef wiederholte, die USA seien nach wie vor weit davon entfernt, jene Fortschritte zu erzielen, welche die Fed für eine Rücknahme ihrer geldpolitischen Ausrichtung zur Bedingung gemacht hat. Der Teuerungsanstieg gehe nicht wie in früheren Konjunkturphasen mit einem heiß laufenden Arbeitsmarkt einher. Die Inflationsrate, so Powell, sei weiterhin von wenigen Kategorien getrieben, die in Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Volkswirtschaft einerseits oder Lieferengpässen andererseits in Zusammenhang stünden. Er gehe weiterhin davon aus, dass der Preisschub vorübergehender Natur sei.

Stand: 19.07.2021