Lärm in der Nachbarschaft: Zu laut oder ganz normal?

Lärm in der Nachbarschaft

Vieles ist relativ, so auch die Frage nach den zumutbaren Lautstärken. Was können Sie unternehmen, wenn's in der Nachbarschaft laut ist und warum ist die Ortsüblichkeit so wichtig?

Lärm kann uns das Leben verdrießen – ganz besonders ist das der Fall, wenn der Lärm nahe ist und aus der Nachbarschaft kommt. Das Rasenmähen eines Anrainers, das Klavierspielen von nebenan oder die Heimwerkeraktivitäten eines Nachbarn können mitunter ganz schön nerven und sind Anlass für so manche Nachbarschaftskonflikte. Gibt es eigentlich bezüglich des Lärms bestimmte "Regeln" und wie kann man sich gegen zu viel Lärm zur Wehr setzen?
 

Was sagt das Gesetz?

Im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch sind wesentliche Bestimmungen zum Nachbarschaftsrecht geregelt. Konkret ist das so genannte Rücksichtnahmegebot festgeschrieben. Wörtlich heißt es: "Im Besonderen haben die Eigentümer benachbarter Grundstücke bei der Ausübung ihrer Rechte aufeinander Rücksicht zu nehmen." Die oftmals zitierte "Ruhezeit" (zwischen 22 Uhr und 6 Uhr) ist übrigens gesetzlich nicht geregelt. Wohl aber existieren in den Bundesländern landesgesetzliche Vorschriften. Auch können Gemeinden ortspolizeiliche Vorschriften erlassen, die etwa die Verwendung von Gartengeräten zu bestimmten Zeiten vorschreiben.
 

Was ist ortsüblich?

Verboten ist in allen Fällen die Erregung von Lärm in "ungebührlicher Weise". Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Lärm "ungebührlich" ist, kommt die Ortsüblichkeit ins Spiel. Was heißt das am Beispiel der zunehmend in Mode kommenden privaten Haltung von Hühnern? In einer ländlichen Umgebung wird das Gackern des Federviehs anders beurteilt werden als im städtischen Bereich. Ähnliches gilt etwa für Hundegebell: Gibt es in der Siedlung mehrere Hunde oder handelt es sich um eine Wohnanlage, wo nur ein einziger Hund gehalten wird? Auch beim Klavierspielen wird nach der Ortsüblichkeit entschieden. Demnach beträgt die als ortsüblich angesehene Klavierspielzeit im städtischen Bereich zwei Stunden.
 

Wie ist das mit Ruhezeiten und Zimmerlautstärke?

Den Begriff der Zimmerlautstärke gibt es ausschließlich in Verbindung mit dem Schutz der Nachtruhe. Laut Oberstem Gerichtshof liegt "Zimmerlautstärke vor, wenn die Geräusche innerhalb der Wohnungen der übrigen Bewohner des Hauses nicht mehr oder kaum noch vernommen werden können, sodass die Nachbarn dadurch auch nicht wesentlich gestört werden".
 

Wenn's zu laut ist: Wie gehen Sie vor?

Die Erregung ungebührlichen Lärms ist jedenfalls eine Verwaltungsübertretung, die entsprechend geahndet wird. Wenn Sie selbst ein "Lärmopfer" sind, dann suchen Sie zuerst aber das Gespräch mit demjenigen, der für den Lärm verantwortlich ist. Wenn das nichts nützt, dann können Sie eine Anzeige bei der Polizei machen oder eine Unterlassungsklage vor Gericht einbringen. Als Bewohner einer Wohnhausanlage können Sie auch die Hausverwaltung einschalten. Diese darf allerdings nicht Partei nehmen, kann aber die Einhaltung der Hausordnung einmahnen.

Wenn es sich gar nicht anders vermeiden lässt, dann leistet eine Rechtsschutzversicherung gute Dienste. Ihr Raiffeisenberater informiert Sie über alle Vorteile.

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