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Warum sich Kaufen statt Mieten noch immer auszahlt

Mag. (FH) Peter Weinberger, GF Raiffeisen Immobilien Vermittlung - © Petra Spiola

Peter Weinberger, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Vermittlung, berichtet im Experteninterview über die aktuelle Preissituation, die Attraktivität von Anlegerwohnungen und die Gründe für die steigende Immobiliennachfrage.

Die Immobilienpreise steigen und steigen. Zahlt es sich da überhaupt noch aus, in den Kauf einer Immobilie zu investieren?

Mag. (FH) Peter Weinberger: Grundsätzlich zahlt sich Kaufen definitiv aus. Auf der einen Seite hat der Käufer durch Immobilieneigentum einen Inflationsschutz. Andererseits geht durch langfristige Miete Geld verloren, weil der Mieter ja für etwas bezahlt, das ihm/ihr nicht gehört. Für jeden, der vorhat, mehr als zehn Jahre am selben Ort zu bleiben, rechnet sich Eigentum: Denn bereits in dieser Zeit sind die Nebenkosten des Kaufs durch die Miete "verdient", und in dieser Rechnung ist  der Verkaufserlös im Fall der Veräußerung der Immobilie noch gar nicht berücksichtigt. Es ist also auf jeden Fall empfehlenswert, Eigentum zu schaffen.

Eine Immobilie ist für die Meisten die größte finanzielle Investition im Leben. Vor einem tatsächlichen Kauf schrecken viele zurück?

Weinberger: Das Problem ist der Anstieg der Immobilienpreise. Gleichzeitig sinkt die "Risikobereitschaft", auf einmal einen größeren Betrag für einen Kauf auszugeben. Da zahlen dann viele lieber jeden Monat 700 oder 800 Euro, obwohl man sich damit theoretisch schon eine Finanzierung leisten könnte.

Woher kommt die Preissituation?

Weinberger: Es ist eindeutig die hohe Nachfrage – einerseits gibt es den Nachfragedruck aus dem Ausland, andererseits aus dem Inland von jenen, die ihr Geld veranlagen wollen. Früher haben Anleger mit Wertpapieren indirekt in Immobilien investiert. Jetzt überwiegen die direkten Immobilieninvestments (Anleger-, Vorsorgewohnungen bzw. grundsätzlich Eigentumswohnungen). Darüber hinaus sind die Baukosten gestiegen. Im internationalen Vergleich muss man aber sagen, dass Österreich nicht teuer ist.

Sie haben Anlegerwohnungen erwähnt. Welche Gegenden sind aus Anlegersicht interessant? Wie sieht es mit den Renditen aus?

Weinberger: Anleger wollen Sicherheit. Und die aus Anlegersicht "sicheren" Regionen sind die urbanen Gebiete oder die Gebiete in der Nähe der Großstädte. Was die Renditen betrifft, stehen diese nicht immer im Vordergrund. Viel mehr als früher geht es um die Wertsicherheit, um einen Inflationsschutz und nicht darum, ob ich jetzt drei, 3,5 oder vier Prozent Rendite habe. Der reale Wert einer Immobilie ist für den Anleger der entscheidende Faktor. Man ist gut beraten, in eine Wohnung oder ein Grundstück zu investieren. Es ist einfach eine sichere Geldanlage.

Sie haben als Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Vermittlung einen umfassenden Überblick über die Preisentwicklung im Osten Österreichs. Wie schaut’s da aus?

Weinberger: Wir haben klassische Gebiete, wo die Preise steigen und weiter steigen werden, und Gebiete, wo sie stagnieren – im Wesentlichen geht es dabei auf der einen Seite um Zuwandergebiete, auf der anderen Seite um Abwandergebiete, wo der Markt rückläufig ist oder stagniert. Das Problem der boomenden Zuwandergemeinden ist, dass es hier oft nicht genug Immobilienangebote gibt. Somit steigen die Preise für die vorhandenen Grundstücke unverhältnismäßig hoch an. Alle wiennahen Lagen entwickeln sich überproportional. In den Peripheriegegenden ist die Nachfrage dagegen sehr niedrig.

Geht es bei den Preisen weiter aufwärts?

Weinberger: In Summe betrachtet glaube ich, dass die Preise in Österreich weiter leicht steigen werden – zwar nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren, aber es wird weiter aufwärts gehen. Einen Rückgang der Preise sehe ich nicht. Da müsste sich die komplette Marktsituation ändern und auch die Baupreise, wobei die Frage ist, ob das überhaupt volkswirtschaftlich wünschenswert wäre. Denn niedrigere Baupreise würden sich sofort in einer höheren Arbeitslosigkeit am Bau niederschlagen.

Könnte man etwa durch eine Änderung bei den Bauvorschriften eine Senkung der Baukosten erreichen?

Weinberger: Ich glaube nicht, dass eine Änderung der Bauvorschriften oder etwa auch die Streichung von Vorschriften wie etwa zum Einbau eines Notkamins viel bringt. Wobei aber schon die Frage ist, warum es in jedem Bundesland andere Bauvorschriften gibt. Gemeinsame Bauvorschriften, weniger Administration, weniger Verwaltung brächten eine "höhere Geschwindigkeit" beim Bauen. Bauträger könnten effizienter und schneller bauen. Eine wesentliche Verringerung der Baukosten brächte dies aber auch nicht. Die Baukosten sind vor allem durch die Höhe der Lohnkosten und diese wiederum durch die Steuern bestimmt.

Wir danken für das Gespräch.

Mai 2014

Bild: Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger - © Petra Spiola