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| Turnaround im Außenhandel feststellbar |
| Nach wie vor Geschäftspotenzial in Mittel- und Osteuropa |
| Hoffnungsmärkte und Hoffnungsbranchen im Überblick |
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Die Wirtschaftskrise hat auch die heimische Exportwirtschaft getroffen. Im ersten Halbjahr sind die Exporte um fast ein Viertel zurückgegangen. Wie beurteilen Sie die Lage?
Walter Koren: Der Welthandel ist in Folge der Wirtschaftskrise unter die Räder gekommen. Betroffen sind vor allem die stark exportorientierten Länder, zu denen auch Österreich zählt. Es ist also wenig überraschend, dass die Zuwächse in Österreichs Außenhandel – im Vorjahr kletterte das Warenexportvolumen immerhin noch um 2,5 Prozent auf über 117 Mrd. Euro – im internationalen Einklang vorerst der Vergangenheit angehören. In den ersten sieben Monaten des Jahres gingen unsere Exporte um 24 Prozent auf rund 54 Mrd. Euro zurück und auch das Gesamtjahr wird nicht gerade rosig ausfallen. Doch der Abwärtstrend sollte nun durchbrochen sein – bereits seit einigen Wochen ist ein positiver Turnaround im Außenhandel feststellbar. Fakt ist: der Außenhandel wird auch in der Zukunft der Motor unserer Wirtschaft bleiben.
Was erwarten Sie für den Rest des Jahres bzw. die kommenden ein, zwei Jahre? Gibt es schon heuer eine Trendwende bzw. wann geht's für die Exportwirtschaft wieder aufwärts?
Koren: Die Wirtschaftsforscher rechnen für den Welthandel heuer mit einem Minus von rund 15 Prozent. Österreich wird nicht weit davon entfernt liegen. Aber selbst in turbulenten Zeiten gibt es für unsere Exportwirtschaft keinen Grund die Flinte ins Korn zu werfen. So wird die österreichische Wirtschaft bereits im zweiten Halbjahr 2009 wieder wachsen, wobei der bereits anziehende Export wesentlich dazu beitragen dürfte. Der Exportsektor wird sich im Jahresverlauf 2009 gegenüber dem ersten Halbjahr durch die Auslandsnachfrage – auch dank der großen Chancen, die die vielen internationalen Konjunkturpakete bieten - deutlich beleben. Für 2010 wird wieder ein Exportwachstum zwischen 2 und 4,5 Prozent für Österreich vorhergesagt. Jetzt ist jedenfalls die Stunde der Exporteure. Die AWO will dazu mit zahlreichen Förderungen und konkreten Maßnahmen noch mehr Unternehmen zum Schritt über die Grenzen motivieren und bestehenden Exporteuren die Bearbeitung neuer Märkte erleichtern.
Österreichs Unternehmen waren in Mittel- und Osteuropa oftmals Pioniere und haben auch ausgezeichnete Erfolge erzielt. Jetzt gibt es aber teilweise auf diesen Märkten deutliche Rückgänge. Ist die Osteuropa-Story vorbei oder haben diese Märkte noch immer Potenzial?
Koren: Unsere Unternehmen konnten als Ost-Pioniere viele Jahre eine fruchtbare Ernte einfahren. Die Konzentration österreichischer Aktivitäten auf den CEE-Raum war und ist eine "natürliche" Folge seiner Lage und der gemeinsamen Geschichte. Und Österreich wird auch in Zukunft DER Osteuropa-Spezialist bleiben. Wir verfügen über eine herausragende Rolle als Handelspartner in Zentral-, Ost- und Südosteuropa. In Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Rumänien und Bulgarien ist Österreich der wichtigste Auslandsinvestor. Die heimischen Firmen verfolgen in CEE eine langfristige Strategie: Nach dem Ende der Krise ist dort erneut mit einem überdurchschnittlichem Wachstum zu rechnen. Der weiter bestehende Nachholbedarf bei Infrastruktur, Investitionen und Konsum stellt ein Geschäftspotenzial dar, das sich die österreichische Wirtschaft nicht entgehen lassen darf.
Für Unternehmen, die jahrelange Arbeit in die Erschließung eines Marktes investiert haben, ist es bitter, wenn dieser Markt wegbricht. Was soll denn ein Unternehmen in diesem Fall tun? Drinnenbleiben und durchtauchen oder sich nach anderen Absatzmärkten umsehen?
Koren: Export ist und bleibt die Zukunftschance für Österreichs Unternehmen – gerade in turbulenten Zeiten. Wir wollen die Firmen ermutigen, in den Exportmärkten zu bleiben und ihre Position dort zu festigen und sogar auszubauen. Nachdem sich der Rauch gelegt hat, werden auch diejenigen Exportbetriebe aus der Krise gestärkt hervortreten und wieder gute Geschäfte machen, die geblieben sind. Die Unternehmen müssen nur versuchen, sich vom kleiner werdenden Kuchen ein größeres Stück abzuschneiden. Ein Engagement in fremden Märkten mag derzeit risikoreich erscheinen, aber gerade jetzt bieten sich in jedem Land der Welt auch exzellente Chancen. Es bringt keinem Betrieb etwas, zu jammern. Vielmehr ist Handeln angesagt. Aufgrund der volkswirtschaftlich großen Bedeutung des Exports hat sich die AWO erfolgreich für eine Fortführung und Neudotierung der Internationalisierungsoffensive go-international zur Förderung des wichtigsten Konjunktur- und Arbeitsplatzmotors in Österreich eingesetzt. Für 2009 und 2010 stehen so jährlich 25 Mio. Euro für unsere Exportwirtschaft zusätzlich zur Verfügung.
Wo gibt es jetzt Chancen, welche Regionen haben Zukunft? Und in welchen Branchen gibt es für die exportorientierte Wirtschaft die besten Möglichkeiten?
Koren: Allen Krisenmeldungen zum Trotz gibt es für unsere Exporteure eine Menge an Hoffnungsmärkten und Hoffnungsbranchen. Dort wollen wir mitmischen. Unser Markt ist größer als wir denken. Wir wollen Unternehmen gerade jetzt unterstützen, in zukunftsträchtige Märkte einzutreten. Es gibt für innovative und exportorientierte Unternehmen genug Märkte mit viel Potenzial. Daher legt die AWO einen starken Fokus auf Wachstumsregionen wie Fernost, Südostasien, den Nahen und Mittleren Osten, Süd-Amerika sowie einige GUS-Länder. Wir picken uns aber nicht nur Regionen oder Länder heraus, sondern zeigen auch Hoffnungsbranchen auf. Dazu zählen Energie, Umwelttechnologie, Infrastruktur, Bau und Nahrungsmittel. Märkte für unsere Exporteure finden sich aber nicht nur in den neuen Exportregionen, sondern auch in speziellen Nischen in den etablierten "Stammmärkten". Zudem haben staatliche Konjunkturprogramme derzeit Hochkonjunktur. Die große Bandbreite an solchen Projekten - mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten - bietet auch den heimischen Unternehmen profitable Geschäftsmöglichkeiten. Allein die wichtigsten 25 Exportmärkte Österreichs versuchen mit Investitionen von insgesamt knapp drei Billionen Euro ihre nationale Wirtschaften wieder in Gang zu bringen – eine gewaltige Summe, von der sich unsere Firmen eine große Scheibe abschneiden können, wenn sie die nur Gunst der Stunde rechtzeitig erkennen.
Vielen Dank für das Gespräch.
November 2009
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