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Der Bezirk Radkersburg zurück

Von BH Hofrat Dr. Majcan

 

Der Bezirk Radkersburg, von der Grenzregion in den Mittelpunkt Europas

Seit fast einem halben Jahr ist die größte Erweiterung der EU vollzogen. Der Bezirk Radkersburg ist von der geographischen Lage gesehen tatsächlich in den Mittelpunkt gerückt.

Für den Bezirk bedeutet dies konkret, dass wesentliche Erleichterungen in den Beziehungen mit Ungarn und vor allem mit Slowenien bestehen.

Die Grenze zu Slowenien war seit langem eine offene. LAbg. Anton Gangl rief vor 2 Jahren die Initiative Nachbarschaft ins Leben, aus der schon viele konkrete Projekte hervorgingen. Der Beitritt am 1. Mai brachte ein Mehr an Kooperationsmöglichkeiten, die in vielen Bereichen auch umgesetzt werden.

Im Wirtschaftssektor hat laut Auskunft der Wirtschaftskammer Regionalstelle Süd die Zusammenarbeit zugenommen.

Es gibt sehr viele Anfragen sowohl von steirischen als auch slowenischen Unternehmern zu Themen wie Importe, Exporte und Firmengründungen. In den liberalisierten Branchen gibt es vor allem im Dienstleistungsbereich Zuwächse von slowenischen Unternehmen in der Steiermark, wobei im nicht liberalisiertem Bereich Steigerungen zu verzeichnen sind.

Die nach wie vor eingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit wirkt sich im Mangel an Facharbeitern für einige Berufe aus.

Die bestehende Kontingentregelung für die Bereiche Tourismus und Landwirtschaft sollte im Sinne einer Flexibilisierung im Rahmen eines bilateralen Abkommens auf alle Bereiche ausgedehnt werden.

Der Agrarbezirk Radkersburg arbeitet nunmehr noch intensiver mit Slowenien zusammen.

So gibt es ein Projekt Grundwasserschutz, wo die slowenische Seite auf die positiven Erfahrungen und Umsetzungsmaßnahmen der Radkersburger Landwirtschaft zurückgreifen kann. Tourismus und Landwirtschaft haben eine Initiative mit dem Titel „Das Ganze ist mehr“ mit Slowenien ins Leben gerufen. Dies ist ein grenzüberschreitendes touristisches Angebot, wo vor allem die Kulturen beiderseits der Mur im Mittelpunkt stehen.

Ein besonderer Wert wird  auf Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen gelegt. Das Verkehrskonzept Radkersburg wird flüssigere Erreichbarkeiten im Bezirk bringen, was vor allem im Hinblick auf das gestiegene Verkehrsaufkommen an den Grenzübertrittsstellen wichtig ist.

Um den Ausbau der Bahnlinie von Bad Radkersburg nach Murska Sobota finden intensive Anstrengungen statt. Dies wäre für den Anschluß an den sogenannten „Korridor V“ enorm wichtig.

Im Jahr 2005 wird eine Fuß- und Radwegbrücke über die Mur in Donnersdorf (Marktgemeinde Halbenrain) errichtet, von der sehr starke touristische Impulse ausgehen werden.

Im Zusammenhang damit stehen auch die Bemühungen um einheitliche Öffnungszeiten und den Benutzungsumfang der Kleinen Grenzübergänge.

Ab 1. 4. 2005 sollten diese in der Sommerzeit von 05.00 Uhr – 21.00 Uhr geöffnet sein und für alle Personen mit Reisepass, Personalausweis oder Grenzübertrittsschein passierbar sein. Weitere Kooperationen bestehen im Bereich der Jugendarbeit zum Thema „Sucht“.

All die angeführten Projekte und Umsetzungen erfolgen gemeinsam mit den jeweilig betroffenen slowenischen Institutionen.

Es hängt von jedem einzelnen ab, wieviele Initiativen gesetzt werden.

Ohne Initiativen gibt es keine Zusammenarbeit und können auch keine, in vielen Bereichen vorhandenen Fördertöpfe angezapft werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der EU-Beitritt der angrenzenden Staaten genügend Chanchen gebracht hat, die auch schon genutzt werden.

Wenn auch noch Hemmnisse, z. B. bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit abgebaut werden, wird es einen weiteren Entwicklungsschub geben.

Vollkommen wird Europa, wenn alle europäischen Staaten der EU beigetreten sind, wobei hier vorrangig Kroatien zu nennen ist.

 

 

BH Hofrat Dr. Alexander Majcan