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Renaissance der Regionalbanken zurück

"Es zählen wieder Werte, die etwas wert sind."

    

Bilanzsumme: 10,54 Mrd. Euro 
Eigenmittel: 681 Mio. Euro 

Wenn heute über die Wirtschaftskrise gesprochen wird, bekommen die Banken meist pauschal die Rolle des Schwarzen Peters zugewiesen. Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenlandesbank, Betriebsökonom Wilfried Hopfner, verharmlost nicht, hält aber fest, dass Bank nicht gleich Bank ist und eine Regionalbank auch nicht mit einer Investmentbank verglichen werden kann.

Mit einem flächendeckenden Bankstellennetz sind die Raiffeisenbanken seit über 100 Jahren der finanzielle Nahversorger in Vorarlberg und damit ein verlässlicher Partner für über 82.000 Mitglieder und doppelt so viele Kunden. "Das dadurch erworbene Vertrauen zählt heute mehr denn je", ist Hopfner überzeugt. Seine Kernaussage bei der Bilanzpressekonferenz 2008: "Wir erleben derzeit eine Renaissance der Regionalbanken und eine Rückbesinnung auf Werte, die etwas wert sind."

Die sehr positive Entwicklung bei Spareinlagen und Eigenemissionen unterstreicht das gewachsene Interesse an sicheren Anlageformen. Die konsolidierten Eigenmittel stiegen um 1,6% auf 681 Mio. Euro Rückgänge im Bereich der Kundenwertpapiere konnten durch Kundeneinlagen fast gänzlich kompensiert werden. "Durch das starke Kundenvertrauen und die gewachsenen Spareinlagen verfügt Raiffeisen über eine ausgezeichnete Liquidität und wir investieren dieses Geld direkt in die regionale Wirtschaft, wie ein Blick auf die Bilanz beweist", führt Hopfner weiter aus.

Keine Kreditklemme
Die Rolle der Raiffeisenlandesbank für den regionalen Kreditmarkt zeigt sich auch in der wachsenden Rolle als Geschäftsbank. Dr. Johannes Ortner, Vorstandsvors.Stv. und zuständig für den Bereich Firmenkunden, dementiert das Gerücht einer Kreditklemme. "Natürlich können wir uns trotz hervorragender Ausgangsbasis der Entwicklung im Land nicht entziehen. Leider verzeichnen manche Branchen aktuell massive Umsatzeinbrüche – Gott sei Dank stehen aber auch einige Branchen und Unternehmen in Vorarlberg auf der Sonnenseite der Entwicklung. Und so ist in den letzten Wochen und Monaten eine rege Kreditnachfrage zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang ist auch das Hausbank-Prinzip ganz hoch im Kurs."

Wachsende Reglementierungen belasten
Der für IT und Risikomanagement zuständige neue Vorstandsdirektor Mag. Michael Alge begrüßt klare und einheitliche EU-Richtlinien zur Risikominimierung und Verhinderung der Geldwäscherei. "Wir begrüßen Reglementierungen und Meldeanforderungen, wenn diese die Stabilität des Finanzsystems stärken." Diese dürften jedoch die persönliche Kenntnis und Einschätzung des Kunden nicht überdecken oder verdrängen, betont Alge. "Eine unbedingte Statistikgläubigkeit, welche diese weichen Faktoren außer Acht lässt, passt nicht zu unserer Philosophie der Regionalität und wurde von uns auch nie praktiziert."

Wirtschaftskrise fordert Wertberichtigungen
Das Betriebsergebnis liegt knapp 3% unter dem absoluten Spitzenjahr 2007. Das Ergebnis nach Risiko ist aber um über 60% auf 29,2 Mio. Euro zurückgegangen. Die Hauptursachen liegen in der Wirtschaftskrise und einer damit zusammenhängenden massiven Abwertung von Rentenpapieren aufgrund der angewendeten strengsten Bewertungskriterien. Hopfner: "Wir gehen davon aus, dass diese Wertberichtigungen sukzessive wieder aufgelöst werden, weil die Papiere von den Emissionsbedingungen her zum Kurs von 100 getilgt werden müssen. Unsere Investments sind vorrangig in Staatsanleihen erfolgt und damit sehr gut abgesichert." Das Risikoergebnis aus Kundenforderungen, also die einzustellenden Einzelwertberichtigungen, stiegen gegenüber dem Vorjahr um 17,2% auf 38,8 Mio. Euro an.

Kennzahlen in Mio. EUR

2008

2007

Veränderung

Bilanzsumme (konsolidiert)

10.536

7.803

+ 35,0%

Primärmittel

6.372

5.273

+ 20,8%

Foderungen an Kunden

5.778

5.250

+ 10,1%

Eigenmittel (konsolidiert)

681

670

+ 1,6%

Verwaltetes Kundenvermögen

9.783

9.907

- 1,3%

 
Betriebsergebnis

112,1

115,4

- 2,9%

Ergebnis nach Risiko (EGT)

29,2

73,3

- 60,2%

Ausblick 2009
Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden Wilfried Hopfner, wird sich das System durch massive Hilfsprogramme sukzessive stabilisieren. Auf der Einlagenseite werden die Zinsen weiter fallen. Durch neu zu kalkulierende Liquiditäts- und Risikokosten erhöhen sich aber die Kreditkosten. Für Hopfner liegt die Lösung der großen Probleme in einer umfassenden Zusammenarbeit: "Weder die öffentliche Hand, noch die Unternehmen, die Banken, oder die Privatpersonen werden die Krise im Alleingang bewältigen. Es gilt daher, gemeinsam neue Wege zu gehen und konstruktive Lösungen zu finden."