Sichere Exporte: Tipps vom Profi zurück
Interview mit Mag. Ferdinand Schipfer, Oesterreichische Kontrollbank
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Mag. Ferdinand Schipfer, Direktor der Abteilung Exportgarantien, Oesterreichische Kontrollbank (OeKB), im Gespräch. |
Durch die Globalisierung wachsen die Märkte zusammen, internationale Rechtssicherheit ist heute eigentlich selbstverständlich. Wie wichtig ist vor diesem Hintergrund heutzutage überhaupt noch das Thema Exportabsicherung?
Die großen politischen Veränderungen in den letzten ein, zwei Dekaden haben gemeinsam mit der gestiegenen wirtschaftlichen Vernetzung von Unternehmen auch die Sicherheit von internationalen Geschäften erhöht. Gleichzeitig treten im globalen Wettkampf um Aufträge und Jobs immer mehr Mitstreiter - ich nenne einmal Autoproduzenten aus China - auf und wollen den traditionellen Anbietern Marktanteile abjagen.
Schließlich haben sich viele ehemals politisch riskante Abnehmer umstellen müssen, klopfen heute quasi in neuem Gewand an unsere Türen und ordern heute auf Basis ihrer wirtschaftlichen Kreditwürdigkeit und ihrer Bilanzen - also ohne Garantien ihrer Regierungen - genauso Maschinen und Ersatzteile wie früher. Das Geschäftsvolumen der Kreditversicherer - egal ob im Inlandsgeschäft oder im Export - ist daher so groß wie noch nie - auch die Zahlen der so genannten Berner Union, das ist der weltweite Dachverband der "Kontrollbanken" und der meisten privaten Versicherer - sind auf Rekordniveau.
Ich möchte nicht verhehlen, dass neben dem Risikoaspekt ein weiterer Grund für die Nachfrage nach Versicherungen darin besteht, dass die Unternehmen damit für die Vorfinanzierung ihrer Projekte mit besseren Konditionen bei ihren Banken rechnen können als wenn sie nur eine Auftragsbestätigung ohne Versicherung in der Tasche haben.
Wozu dient eine Exportabsicherung – können Sie einen typischen Geschäftsfall schildern?
Mit einer Absicherung verschafft sich ein Unternehmer ruhige Nächte und billiges Geld. Der Vorgang ist recht einfach: Eine österreichische Firma beschreibt uns, dass sie etwa eine Spritzgussanlage an einen russischen Interessenten verkaufen könnte. Wir analysieren die politischen Risken, die geplanten Zahlungskonditionen, die Bonität des russischen Unternehmens u.a.m. und teilen dem Unternehmen mit, zu welchen Kosten und unter welchen Nebenbedingungen es mit einer Deckung seines Geschäftes rechnen kann. Wenn es in der Folge wirklich zu einem Abschluss eines Exportvertrages - sehr häufig übrigens mit einer anschließenden Finanzierung - kommt, kann die Firma gegen eine Prämie ihre Zahlungsrisken (in der Regel zu zirka 90 Prozent) einem Dritten übertragen.
Dieser Dritte ist in Österreich bei risikoreicheren - so genannten nicht marktfähigen - Geschäften die Republik Österreich. Die OeKB analysiert für den Finanzminister die einzelnen Geschäftsfälle und schaut beständig darauf, dass das gesamte Risikoportefeuille halbwegs ausgewogen ist.
Wie schaut es weltweit mit der Länderbonität aus – wo ist diese relativ hoch, wo eher gering?
Unser Export wandert bekanntlich zum Großteil in politisch stabile Länder. Auch ist klar, dass allein ein EU-Kandidatenstatus die betroffenen Länder automatisch in eine bessere Bonitätsliga aufsteigen lässt. Darüber hinaus zählen weitere wichtige Handelspartner wie z.B. China, Mexiko oder einige arabische oder nordafrikanische Staaten zu sehr verlässlichen und berechenbaren Ländern.
Allerdings ist ein besonders großer Hunger auf unsere Produkte - leider allzu oft in einem ganz wörtlichen Sinn - genau in solchen Ländern gegeben, die bonitätsmäßig weniger gut dastehen. Auch ein großer Bedarf an elementarster Infrastruktur - Energie, Schulen, öffentlicher Transport, sauberes Wasser usw. - geht typischerweise Hand in Hand mit niederen Länderbonitäten. Beispiele gibt es leider viele in Zentralafrika, im Fernen Osten aber auch in Zentralasien. Dazu kommen regionale Kriege und Krisen, die an sich passable Länder wie Argentinien oder den Irak binnen kurzem "abstürzen" lassen.
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