|
|
|
Nach der bürgerlichen Revolution 1848 wurden die österreichischen Bauern nach jahrhundertelanger Leibeigenschaft endlich frei und unabhängig. Diese Freiheit brachte aber eine Reihe von Problemen mit sich. Es entstanden viele Kleinbetriebe die nicht auf den internationalen Konkurrenzdruck und die Geldwirtschaft vorbereitet waren.
Das Erbrecht, Missernten und Konzentrationen auf der Abnehmerseite brachten die Bauern immer mehr in Kapitalnot. Die einzige Möglichkeit Geld für den Kauf von Saatgut, Vieh oder neue Gerätschaften zu leihen, waren oft sog. Wucherer.
Diese verliehen das Kapital zu sehr hohen Zinsen (teils bis zu 100%) und waren oft gleichzeitig Händler und somit Abnehmer für die bäuerlichen Erzeugnisse.
Die Schuldenspirale drehte sich für viele kleine Bauern immer weiter. Nach 1867 wurden in Niederösterreich jährlich bis zu 7.000 bäuerliche Höfe zwangsversteigert (oft zu einem Bruchteil des Wertes).
Im Jahr 1890 stürzte die Österreichische Landwirtschaft in eine weitere tiefe Krise. Aufgrund des Imports von landwirtschaftlichen Produkten aus Übersee sanken die Preise für Getreide bis zu 80%. Die Not der bäuerlichen Bevölkerung wurde nun noch größer.
Das Ende der Armut und Not

Am 4. Dezember 1886 gründeten 94 Bauern, Handwerker und Gewerbetreibende aus der Gegend um Mühldorf bei Spitz in der Wachau den ersten „Raiffeisen Spar- und Darlehenscassenverein“ in Österreich. Die Idee geht auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück und war so einfach wie genial:

Hilfe zur Selbsthilfe:
Nicht Almosen sollten die Armut mildern, sondern Kredite zu fairen Konditionen. Die Menschen schließen sich in einer Genossenschaft zusammen. Sie bringen ihre Ersparnisse ein und haften mit ihrem privaten Vermögen. Die Genossenschaft vergibt dann Kredite zu fairen Konditionen an die Mitglieder für den Kauf von Saatgut, neuen Gerätschaften etc.
Von Niederösterreich aus, verbreitete sich die Idee in Windeseile. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Österreich über 600 Spar- und Darlehensvereine nach dem System Raiffeisen gegründet.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) war Bürgermeister in einer von Hungersnöten und Armut geprägten Gemeinde im Westerwald. Dort gründete er den ersten Darlehenskassenverein.


